Südkoreas Präsident Yoon Suk-yeol.

Foto: EPA/JEON HEON-KYUN

Seoul – Medienorganisationen in Südkorea haben gegen die Entscheidung des Büros des Präsidenten Yoon Suk-yeol protestiert, Reportern des einheimischen TV-Senders MBC die Mitreise im Präsidentenflugzeug zu verweigern. Yoon bricht am Freitag zu einer Auslandsreise auf. In einer Textbotschaft habe das Präsidialamt dem Sender "voreingenommene Berichterstattung bei diplomatischen Themen" vorgeworfen und diesen über seine Entscheidung informiert, berichtete MBC am Donnerstag. Der Sender beschuldigte in einer Stellungnahme das Büro des konservativen Staatschefs, die Pressefreiheit ernsthaft einzuschränken.

Der koreanische Journalistenverband und sieben weitere Gruppen kritisierten nach Berichten verschiedener Medien das Mitreiseverbot für MBC als "beispiellose Unterdrückung der Presse und einen Akt der Gewalt" und forderten eine Rücknahme der Entscheidung. Der Club der Auslandskorrespondenten in Seoul äußerte sich ebenfalls besorgt. Ein Medienunternehmen wegen angeblich "verzerrender" Berichterstattung mit Restriktionen zu belegen, löse "Besorgnis für die Freiheit der gesamten Presse, einheimisch und ausländisch, aus". Das Präsidialamt beharrte am Donnerstag auf seiner Entscheidung. Bei Auslandsreisen gehe es um das nationale Interesse, hieß es.

Hintergrund des Streits sind angebliche herabwürdigende Äußerungen Yoons über den US-Kongress bei einem Besuch im September in New York. Bei einer Spendenveranstaltung soll Yoon abseits der Bühne die Kongressmitglieder mit einem umgangssprachlichen koreanischen Ausdruck für "Bastarde" beschrieben haben. Die Äußerungen wurden von einem noch offenen MBC-Mikrofon aufgezeichnet. Die Bemerkungen waren in einem Video von MBC auf Youtube nicht klar zu verstehen. Yoons Büro hatte widersprochen, dass Yoon den US-Kongress gemeint habe. (APA, dpa, 10.11.2022)