Bundesparteichef Michael Brunner muss sich um ein neues Führungsteam in Niederösterreich bemühen.

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St. Pölten – Es gibt bessere Zeitpunkte für einen Partei-Exodus: Am 29. Jänner wählt Niederösterreich seinen Landtag. Nach dem Überraschungserfolg in Oberösterreich und der schmerzhaften Niederlage in Tirol wollte die impfkritische Partei MFG in Österreichs größtem Bundesland Fuß fassen. Drei Monate vor der Wahl sind nun aber große Teile des politischen Personals aus der Partei ausgetreten: Sechs von sieben Personen im Landesparteivorstand haben das Weite gesucht.

Das Team rund um Landessprecher Gerhard Ivan folgt damit dem ehemaligen Bundesgeschäftsführer Gerhard Pöttler, der die Partei im September verlassen hat. Auch das Team der MFG in Waidhofen an der Ybbs ist nicht mehr Teil der Partei, wie Obmann Wolfgang Durst dem STANDARD bestätigt. Die MFG erreichte bei der Gemeinderatswahl in der Stadt im Jänner 2022 mehr als 17 Prozent und ist seitdem im Gemeinderat vertreten.

In der MFG-Bundesgeschäftsstelle bestätigt man die Abgänge: "Als Partei sind wir an einem Punkt angekommen, an dem ein nächster Professionalisierungsschritt gemacht werden muss", erklärt eine Sprecherin die Austritte. "Bei MFG gab es, verursacht durch die rasche Verbreiterung, nun einen natürlichen Selektionsprozess, der so gut wie abgeschlossen ist." Man blicke zuversichtlich nach vorne, die Landesorganisationen würden teilweise gerade neu aufgestellt.

Unstimmigkeiten seit Wochen

Hinlänglich bekannt sind interne Unstimmigkeiten bei der MFG seit Wochen, mit den aktuellen Massenaustritten hat der Streit seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Der Konflikt umfasst mehrere Landesorganisationen. Dem Vernehmen nach herrschte auch Uneinigkeit über finanzielle Fragen.

"Selbstverständlich" werde man trotz der Rochaden bei der Landtagswahl im Jänner antreten, sagt die MFG-Sprecherin zum STANDARD. Anfang Dezember solle bei einem Landesparteitag eine Spitzenkandidatin oder ein Spitzenkandidat gewählt werden. Wahlwerbende Parteien müssen ihre Listen bis spätestens 23. Dezember beim Land einreichen. (Sebastian Fellner, 10.11.2022)