Klimaaktivistinnen haben sich wieder einmal wo angeklebt, diesmal an einem Sockel im Dinosauriersaal des Naturhistorischen Museums in Wien. Sie wurden von der Polizei entklebt und weggeschickt. Danach ging die Welt wieder ihren Gang. Die Direktorin des Museums, Katrin Vohland, zeigte zwar Verständnis für "einen Teil der Verzweiflung der jungen Menschen", hält deren Methoden aber für kontraproduktiv: "Die aktionistischen Handlungen lenken leider vom eigentlichen Thema ab." Die Aktivistinnen sollten sich doch eher politisch in Parteien engagieren.

Wenn der Regenwald den Kipppunkt erreicht, dann kippt auch das Weltklima.
Foto: REUTERS/BRUNO KELLY

Etwa zeitgleich kam die Meldung, dass rund 18 Prozent, fast ein Fünftel, des Regenwalds am Amazonas zerstört sind. Unwiederbringlich durch Landnutzung. Wenn der Regenwald den Kipppunkt erreicht, dann kippt auch das Weltklima. Wir sind so weit gekommen, weil die Brasilianer vor Jahren einen rechtsextremen Kriminellen zum Präsidenten gewählt haben. Der betrieb die Zerstörung des Amazonas-Regenwalds aktiv, indem er illegale Brandrodung begünstigte.

Jair Bolsonaro wurde mit knapper Not abgewählt, sein linker Nachfolger wird sich nicht leicht gegen die Amazonas-Plünderer durchsetzen. Aber der Machtwechsel kam durch politische Aktion, durch mühsame Überzeugungsarbeit idealistischer Aktivisten, durch Grassroots-Politik. Sich irgendwo anzukleben ist zwar auch politische Aktion, aber der andere Weg – Wähler zu überzeugen und nicht abzustoßen – ist mühsamer. (Hans Rauscher, 10.11.2022)