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27 Terawattstunden Strom sollen 2030 in Österreich zusätzlich aus Wind, Sonne und Wasser kommen.
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Umbau der Energieversorgung

Energie ist Leben. Ohne entsprechenden Input gibt es Stagnation, im schlimmsten Fall droht der Tod. Ausgelöst durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und seine Folgen machen sich erstmals breite Bevölkerungskreise Gedanken darüber, wie es weitergehen kann mit der Energieversorgung. Wie es war, wird es nie wieder, sind sich mittlerweile viele sicher.

Kann es auch nicht. Wenn das bei der Klimakonferenz 2015 in Paris vereinbarte Ziel, den globalen Temperaturanstieg auf "deutlich unter zwei Grad Celsius" gegenüber der vorindustriellen Zeit zu begrenzen, erreicht werden soll, muss radikal gegengesteuert werden. Nach sechs Folgekonferenzen – zuletzt im ägyptischen Badeort Sharm El-Scheikh – ist man davon weiter entfernt denn je. Ein stärkerer durchschnittlicher Temperaturanstieg würde ganze Landstriche unbewohnbar machen, warnt die Wissenschaft.

Einfach und schwierig zugleich

Die Lösung klingt einfach und ist schwierig zugleich. Nachdem die Erderwärmung auf einer viel zu hohen Konzentration von Kohlendioxid (CO2) in der Atmosphäre beruht, müsste alles getan werden, dass möglichst kein CO2 mehr entweicht. Dann muss mit dem Verbrennen fossiler Energieträger Schuss sein. In Öl, Gas und Kohle ist so viel klimaschädliches CO2 gebunden wie sonst nirgends. Darauf weist die Wissenschaft seit Jahrzehnten hin, mit zunehmender Ungeduld.

Nun könnte akkurat der Einmarsch Russlands in der Ukraine zum Beschleuniger der Energiewende werden, gegen die es in der praktischen Umsetzung bisher so viel Widerstand gab. Energiewende heißt Abkehr von fossilen Energieträgern, dafür Ausbau sauberer, erneuerbarer Quellen. Weil die Preise von Öl, Gas, Kohle und von damit produziertem Strom in den vergangenen Monaten in irre Höhen geklettert sind, hat ein Umdenken stattgefunden. Die Erzählung von der günstigen fossilen Energie ist eine Mär.

Investitionen in erneuerbare Energien

In vielen Ländern Europas ist man plötzlich an einer raschen Umsetzung von Ausbauvorhaben für Wind-, Biomasse- und Solarkraftwerke interessiert. In Österreich etwa soll das ebenfalls schon vor längerem formulierte Ziel, die jährliche Stromproduktion aus erneuerbaren Quellen bis 2030 um zusätzlich 27 Terawattstunden zu erhöhen, durch beschleunigte Genehmigungsverfahren doch noch erreicht werden. Damit würde die Stromproduktion aus erneuerbaren Quellen hierzulande um den Faktor 1,5 steigen.

Der Vorteil von Investitionen in Wind, Sonne oder andere saubere Energien liegt auf der Hand: Das Geld bleibt großteils im Land, der Preisdruck aufgrund einseitiger Abhängigkeiten wie bei Gas von Russland wird minimiert, die Erderwärmung gebremst, sofern das Beispiel Kreise zieht.

Strom ist nur ein Teil des Energiekuchens, den es neu zu backen gilt. Dazu gehört Wasserstoff für die Industrie ebenso wie Geothermie zum Heizen der Häuser plus entsprechender Ausbau der Netze. Und ja, auch Speicher gewinnen an Bedeutung. Diese werden benötigt, um überschüssige Energie vom Sommer in den Winter zu transferieren, wenn die Sonne nur wenig liefert, der Bedarf aber am größten ist. Klar ist aber auch, dass mit Energie insgesamt sparsamer umgegangen werden muss, wenn für alle genug abfallen soll. Was dann noch fehlt: Innovation kann, muss und wird diese Lücke schließen. (PORTFOLIO, Günther Strobl, 29.12.2022)