Eine Entdeckung aus dem Archiv: "Der blinde Hirte" vom lybisch-stämmigen Studenten Awad El Kish.

Foto: Filmakademie

Neugierig darauf, welche Regienamen in den kommenden Jahren das heimische Kino prägen könnten? Dann liegt man man mit einem Besuch der Werkschau der Filmakademie in Stadtkino im Künstlerhaus keinesfalls falsch. Das Eröffnungsprogramm im Gartenbaukino am Dienstag (20 Uhr) zeigt gleich auch gleich einmal auf, dass die Studierenden bereits in der Ausbildungszeit einige Lorbeeren sammeln. Ani Novakovic’ Kurzfilm Cranberry Juice holte bereits mehrer Preise auf internationalen Filmfestivals. "Is it itching? Is it a burning", steht auf dessen Plakat zu lesen. Die Filmemacherin erzählt von einer Schauspielstudentin, die aufgrund eines Schmerzes in der Vagina einen Parcours durch Ärztetermine durchlaufen muss.

Fundstücke aus dem Archiv

Insgesamt werden sechs Kurzfilmprogramme gezeigt, auch der mit dem Max Ophüls Preis prämierte Lullaby von Magdalena Chmielewska ist zu sehen, der sich behutsam der Weltwahrnehmung einer 17-Jährigen anverwandelt, die untere Schlaflosigkeit leidet.

Eine besondere Erwähnung verdient das von Albert Meisl und dem Fachbereich Filmwissenschaft kuratierte historische Programm, das vier Fundstücke aus dem Archiv zusammenstellt, neben zwei frühen Werken von Kitty Kino und Gabriele Matthes auch solche von migrantischen Studierenden der Filmakademie. Der Libyer Awad El Kish begleitet in seiner 40-minütigen Film Der blinde Hirte (1978) einen Schafzüchter, der mitten in einer Gemeinde des Weinviertels einen kleinbäuerlichen Betrieb verwirklicht hat – und damit auf Missfallen der Behörde fällt. Wer möchte, kann in dieser prägnant inszenierten Außenseiterstudie auch eine Art gespiegeltes Selbstporträt sehen. Um Isolation und den nach geht es auch in Rendezvous, einer lyrische Arbeit des Iraner Mahmoud Rahmatian.

Am 25. 11. öffnet zudem das neue, hauseigene Kino der Filmakademie seine Türen, drei sehenswerte Langfilme, die Dokumentarfilme Soldat Ahmed, Good Life Deal und Rosa Friedrichs Überlebensdrama Wander sind zu sehen. Bis 25. 11. (kam, 22.11.2022)