Seit dem Frühjahr wenden sich vermehrt Familien an die Österreichischen Plattform für Alleinerziehende.

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Wien – In Kindergärten, offenen Ganztagsschulen und Horten in Wien bekommen immer weniger Kinder aus Familien mit wenig Geld ein kostenloses Mittagessen, warnen der katholische Familienverband und die Plattform für Alleinerziehende in Aussendungen. Der Grund: Während Mindestsicherung und Einkommen jährlich steigen, wurde die Einkommensgrenze von 1.100 Euro für die Essensbeitragsbefreiungen in Kindergärten und schulischer Nachmittagsbetreuung seit Jahren nicht valorisiert.

Dadurch würden auch Familien, die bisher Anspruch auf Befreiung hatten, um diese Unterstützung umfallen, berichtete die Plattform für Alleinerziehende. Betroffene müssten plötzlich den vollen Essensbeitrag bezahlen, das sei aber oft nicht leistbar, so die Vorsitzende Evelyn Martin. "Werden die Einkommensgrenzen nicht erhöht, fallen spätestens im kommenden Jahr alle Befreiungen weg. Denn dann werden die inflationsbedingten Anhebungen bei Gehalt und Mindestsicherung fast alle Einkommen über die Grenze heben." In den städtisch geförderten Privatkindergärten verliere man mit der Essenbeitragsbefreiung zugleich auch die Befreiung von den Betreuungskosten.

Viele von Armut und Ausgrenzung betroffen

Wenn Eltern sich das Mittagessen für ihre Kinder nicht mehr leisten könnten, müssten diese die Schule gleich nach dem Unterricht verlassen, betonte der katholische Familienverband in einer Aussendung vom Mittwoch. Förderung, Unterstützung bei den Hausaufgaben und der soziale Umgang mit Gleichaltrigen blieben dadurch auf der Strecke. Der Verband sieht einen weiteren Schritt in Richtung Kinderarmut, der die Zukunft dieser Kinder gefährde. "Es ist zu bezweifeln, dass betroffene Kinder dann zu Hause eine ausgewogene, gesunde und warme Mahlzeit erhalten, wenn sich Eltern den Essensbeitrag nicht leisten können", warnte der Vorsitzende Konrad Pleyer.

Für Probleme sorgt neben der Einkommensgrenze laut Martin auch die 2019 eingeführte Wiener Regelung, wonach bei Zahlungsrückständen für Essensbeiträge Kinder von Betreuung, Lernunterstützung und Freizeitangebot am Nachmittag ausgeschlossen und vor dem Mittagessen abzuholen sind – das gelte im Kindergarten ebenso wie bei Nachmittagsbetreuung und Horten.

Für Eltern und ganz besonders für Alleinerziehende sei Kinderbetreuung jedoch die Grundlage, damit diese einer Arbeit nachgehen und ein existenzsicherndes Einkommen erwirtschaften oder wieder in den Arbeitsprozess einsteigen können. "Wird die Kinderbetreuung beschränkt oder verwehrt, wird Alleinerziehenden diese Grundlage entzogen", so Martin. Schon jetzt sei die Hälfte der Unter-14-Jährigen aus Alleinerziehenden-Haushalten von Armut oder Ausgrenzung betroffen.

Teilhabe und Chancengleichheit für alle

Beide Organisationen kritisieren, dass das Essen in den verschränkten Ganztagsschulen (mit einem Wechsel aus Unterricht, Lern- und Freizeit) kostenlos ist, während Eltern in Horten und offenen Volksschulen (mit Unterricht am Vormittag und Lern- und Freizeit am Nachmittag) dafür bezahlen müssen. "Wenn schon nicht alle Formen der schulischen Nachmittagsbetreuung finanziell gleichberechtigt, also bis 15.30 Uhr kostenlos sind, so müssen zumindest die Einkommensgrenzen für die Essensbeitragsbefreiungen sofort angepasst werden", betonte Pleyer.

Die Plattform für Alleinerziehende fordert außerdem, dass die Einkommensgrenzen für Essensbeiträge regelmäßig valorisiert und außerdem für Kindergärten, Horte und Nachmittagsbetreuung einheitlich auf die Höhe der Sozialhilfen und Mindestsicherungen angehoben werden. Bei Ratenvereinbarungen für Schulden solle zudem der volle Betreuungsplatz erhalten bleiben und im Falle von begründeten Zahlungsschwierigkeiten auf die Abzahlung von Essensbeitrag-Schulden verzichtet werden. (APA, 23.11.2022)