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PRO: Ein Luxus, kein Recht

von Bernadette Redl

Die Baubranche jubelt, denn der Wunsch der Österreicher nach einem Einfamilienhaus ist nach wie vor ungebrochen – Teuerungen und Energiekrise zum Trotz. Doch Wunsch ist nicht Realität, und in der wird es für Normalverdienerinnen immer schwieriger, einen Kredit zu bekommen und sich ein Haus zu bauen. Zuletzt wurden sogar Forderungen nach einem Häuslbauerbonus und einer Senkung der Mehrwertsteuer auf Baustoffe und -leistungen laut.

Dem gegenüber stehen Kritikerinnen, die schon seit einiger Zeit fordern, das Bauen neuer Gebäude auf ein absolutes Minimum zu reduzieren. Nach dem Motto: Das beste Haus ist das nicht gebaute. Denn Neubauten verbrauchen Boden, Ressourcen und CO2. In Österreich wird täglich eine Fläche in der Größe von 16 Fußballfeldern versiegelt – damit sind wir Spitzenreiter in Europa. Außerdem sind die Leerstände im Land zahlreich. Viel eher sollte es hier Förderungen geben, und zwar für all jene, die sich Bestandsgebäuden annehmen und ihnen neues Leben einhauchen. Die Spitze des Eisbergs: Auch heute wird in Österreich noch täglich neues Bauland gewidmet, obwohl mehr als ein Viertel der schon gewidmeten Flächen noch unbebaut ist.

Die aktuellen Rufe aus der Baubranche klingen so, als sei Häuslbauen ein Menschenrecht. Doch dem ist nicht so. Wer neu baut, schadet dem Klima und leistet sich einen Luxus, nicht nur auf eigene, sondern auf Kosten von uns allen. (Bernadette Redl, 24.11.2022)

KONTRA: Wer sind die Bösen?

von Karin Bauer

Eine Villa mit Pool für alle inklusive hunderter Quadratmeter pestizidgetränkten Rollrasens. Das geht nicht. Und das kann nicht der Lebensstil der Zukunft auf diesem Planeten sein. Aber mit der Verteilung simpler Karten für Gut und Böse kommen wir in der Klimadebatte nicht weiter. Sind alle, die sich ein Häuschen bauen wollen, nun sicher auf der falschen Seite? Wäre ein veganer Häuslbauer in dieser Rollenverteilung besser als ein dreimal täglich Fleisch essender Mieter? So einfach ist das nicht.

Hausbauen ist ein problematisches Thema geworden. Es gibt keinen Anspruch und schon gar kein Recht darauf, natürlich nicht. Aber wir sollten behutsam mit den Lebensträumen (junger) Menschen umgehen. Für manche gehört ein Eigenheim eben dazu, für das sie sich anstrengen wollen, das sie "aufbauen" wollen. Das hat auch starke Symbolkraft: Ich glaube an eine Zukunft für mich und meine Kinder.

Genau diese Kraft brauchen wir in einer Gesellschaft, deren junge Generationen teils bereits von apokalyptischer Starre erfasst sind, die sogar meinen, nichts lohnt sich mehr.

Ja, gedankenlose Flächenversiegelung ruiniert die Natur und damit unser Leben. Aber ordnungspolitische Einschränkungen für private Träume vom Hausbau sind der falsche Weg. Besser wären Alternativen wie ausnahmslos begrünte Fassaden in leistbaren Miethäusern, attraktive, grüne Wohnbauten. Dann sähe auch die Wahlmöglichkeit ganz anders aus. (Karin Bauer, 24.11.2022)