Putin findet, dass die Ukraine – und sonst noch einiges – zu Russland gehört und führt daher Krieg. Viktor Orbán findet, dass die "Länder der heiligen Stephanskrone" zu Ungarn gehören – und? Tritt bei einem WM-Spiel mit einem Fan-Schal auf, der ebendiese Länderteile zeigt, die seit 1918 nicht mehr zu Ungarn gehören. Das sind die heutige Slowakei, die Karpartenukraine, das Banat, die heute serbische Vojvodina, das heute österreichische Burgenland, Siebenbürgen als schöner Brocken vom heutigen Rumänien, winzige Teile von Polen, das damalige Königreich Kroatien-Slawonien sowie Fiume, das heute kroatische Rijeka.

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán.
Foto: REUTERS/Bernadett Szabo

Nicht schwach, gell? Das gehörte alles einmal zum ungarischen Teil der Österreich-Ungarischen Monarchie. Seit dem Ersten Weltkrieg halt nicht mehr. Aber das ficht einen ungarischen Nationalisten wie Orbán nicht an. Das betreibt er ja schon seit Jahren: Wahlrecht und Pässe für ethnische Ungarn in den ehemaligen Gebieten, immer wieder eine provokante Rede in Siebenbürgen.

Es ist lächerlich und gefährlich. Gefährlich, weil das wer ernst nehmen könnte, wenn Orbán auch ein bisserl Grenzen in Osteuropa verschieben will. Lächerlich, weil dieses Großungarngetue an das von Fritz von Herzmanovsky-Orlando notierte "ungarische Gedicht" erinnert:

"Vor der Villa groß und protzig
Baum hat sich gewaxen klotzig
Himmelblau von Angesicht.
Sain Namen ist: Vergiszmainnicht."
(Hans Rauscher, 23.11.2022)