Früher oder später stellt sich zwischen zwei Menschen in jedem sozialen Miteinander die Frage der korrekten Anrede. Zunächst ist diese Frage eine, die auf gesellschaftlichen Konventionen beruht und einiges mit Respekt und Höflichkeit zu tun hat. Eine in der Unternehmenshierarchie höher gestellte Person oder einen älteren Menschen, den man nicht gut kennt, wird man meist, ohne lange zu zögern, mit "Sie" ansprechen. Doch in vielen Fällen ist die Entscheidung, wie man wen in welcher Situation adressiert, gar nicht so eindeutig und naheliegend. Dabei kann auch mitspielen, welche Ansprache man für sich selbst als passend empfindet – und welche einen aus verschiedenen Gründen stört.

Mit einem kurzen "Freut mich!" kann man das "Du-oder-Sie-Dilemma" beim Kennenlernen umschiffen.
Foto: Getty Images/pixelfit

Die Fragen, die sich hier stellen, sind vielfältig: Siezt man sich einfach, wenn man sich nicht kennt? Beginnt man nach längerer Bekanntschaft automatisch, sich zu duzen? Und von wem darf das Angebot dazu ausgehen? Ideal wäre es zugleich, eine einmal gefundene Form der Anrede bei der jeweiligen Person konsequent beizubehalten. Herausfordernd kann es sein, sich zu merken, ob man nicht schon beim "Du" war, wenn man sich inzwischen längere Zeit nicht gesehen hat. Es kommt auch vor, dass man es kaum schafft, eine Person wirklich zu duzen, weil sich das Verhältnis trotz eines angebotenen "Dus" nicht so nahe anfühlt, dass diese Anrede wirklich stimmig wäre.

Wenn die Ansprache für Irritationen sorgt

Wie man selbst gerne von anderen adressiert werden möchte, kann auch von Situation zu Situation unterschiedlich sein. Wird man als erwachsene Frau mittleren Alters, die vielleicht körperlich kleiner ist als der Durchschnitt, in einem Geschäft geduzt, kann das für Irritationen sorgen. Siezen einen junge Menschen, die auf der Straße nach dem Weg fragen, weil sie einen in Sachen Alter weit entfernt von ihresgleichen erachten, kann das fast schon beleidigend empfunden werden. Duzt oder siezt man andere Eltern im Kindergarten, den die Kinder gemeinsam besuchen? Wie ist es bei den Eltern der eigenen Freundinnen und Freunde? Oder wenn jemand eine neue Person in ein Umfeld mitbringt, in dem sich alle Übrigen sehr gut kennen?

Fest steht: Die je nach Situation passende Anrede kann ein regelrechtes soziales Minenfeld sein, durch das es zu navigieren gilt. Und manchmal lässt sich die Unsicherheit hinsichtlich dem "Du" oder "Sie" nur dadurch kompensieren, dass man die direkte Ansprache einer Person in seiner Formulierung gänzlich zu vermeiden versucht.

Situativ korrekte Anrede: Wie sehen Sie das?

Haben Sie eine Art Faustregel, wie Sie es mit dem Duzen und Siezen halten? Worauf legen Sie dabei Wert? Bieten Sie anderen selbst das "Du" an – oder thematisieren Sie es, wenn diesbezüglich Unsicherheit herrscht? In welchen Situationen hat Sie eine unpassende Anrede schon irritiert? Und wem gegenüber wissen Sie auch nach langer Zeit nicht, wie Sie ihn oder sie ansprechen sollen? Erzählen Sie im Forum! (Daniela Herger, 28.11.2022)