Bondscoach Louis van Gaal und Abwehrchef Virgil van Dijk.

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Die niederländische Nationalmannschaft will dem deutschen Team nach seiner "Mund-zu-Geste" nicht mit einem politischen Statement nacheifern. "Nein, wir haben den politischen Themen einen kompletten Stopp gesetzt", sagte Bondscoach Louis van Gaal vor der Partie gegen Ecuador. "Wir wollen nicht das Risiko eingehen, bestraft zu werden von der Fifa. Wir sind hier, um Weltmeister zu werden."

Er selbst werde es halten wie bisher und sich auch weiterhin nicht zu solchen Themen äußern, führte der 71-Jährige aus. Die Niederlande gehörten zu den Teams, die in Katar eigentlich die One-Love-Binde tragen wollten, ehe die Fifa mit Sanktionen drohte. Für die Mannschaften sei das Turnier "exzellent organisiert", sagt van Gaal. In dieser Hinsicht gebe es ohnehin keinen Grund für "Kritik". Generell schätze er Ecuador "noch stärker" ein als Auftaktgegner Senegal (2:0), betonte van Gaal. Es sei deshalb nötig, "unser eigenes Spiel zu verbessern".

Iran vs. Wales

Die Bosse beim iranischen Staatsfernsehen dürfte es unterdessen am Freitag wieder in den Fingern jucken. Alles andere als ein erneutes, dröhnend lautes Schweigen der Nationalspieler bei der Hymne vor dem wichtigen WM-Spiel gegen Wales wäre überraschend. Alles andere als Zensur durch die regimetreuen TV-Macher auch, sie werden ein paar Minuten vor elf Uhr die Bilder ausblenden.

Doch manchen Experten geht der Protest von Irans Fußballern nicht weit genug. "Dieses kollektive Schweigen könnte ein Anfang sein für einen Stimmungsumschwung, aber es ist nicht ausreichend", sagte Iran-Insider und Sportjournalist Farid Ashrafian. "Die vorherige Positionierung der Nationalmannschaft, die sich über viele Wochen hinweg manifestiert hat, war deutlich stärker als dieses kurzfristige Signal." Ashrafian fordert nach dem Schweigen bei der Auftaktpartie gegen England (2:6) "weitere Zeichen". Wales ist derweil relativ entspannt. Die Hoffnungen ruhen wenig überraschend auf Gareth Bale.

Katar vs. Senegal

Katars Trainer Felix Sanchez will von einem frühen Aus bei der Heim-WM nichts wissen. "Wir wollen unser bestes Spiel zeigen, unser bestes Niveau erreichen. Dann haben wir den Ausgang in der Hand", sagte der Spanier vor dem zweiten Auftritt gegen Afrikameister Senegal: "Wir träumen und sind bereit." Mittelfeldspieler Ismail Mohamad richtete einen Appell an die Fans. "Die Mannschaft braucht die Unterstützung mehr denn je, wir wollen alle stolz machen."

Beim Auftaktspiel gegen Ecuador (0:2) waren die katarischen Anhänger bereits während der Partie in Scharen aus dem Stadion geflohen. Sanchez bekräftigte, dass er "natürlich" wisse, dass sein Team bei einer weiteren Niederlage das Aus ereilen könnte. "Aber wir müssen nur auf uns schauen, unseren Weg gehen." Das hat freilich auch der Senegal vor. Der wegen einer Verletzung fehlende Topstar Sadio Mane ist präsent. "Es ist, als wäre Sadio bei uns. Ich spreche jeden Tag mit ihm", sagt Kapitän Kalidou Koulibaly. (sid, red, 24.11.2022)

Technische Daten und mögliche Aufstellungen:

Gruppe B – 2. Runde:

Wales – Iran (Al Rayyan, Ahmad bin Ali Stadium, 11.00 Uhr/live ORF eins, SR Mario Alberto Escobar Toca/GTM)

Wales: 1 Hennessey – 5 Mepham, 6 Rodon, 4 B. Davies – 14 Roberts, 10 Ramsey, 15 Ampadu, 8 Wilson, 3 N. Williams – 11 Bale, 13 Kieffer Moore

Ersatz: 12 Ward, 21 A. Davies – 2 Gunter, 17 Lockyer, 24 Cabango, 25 Colwill – 7 Allen, 16 Morrell, 18 J. Williams, 22 Thomas, 23 Levitt, 26 Smith – 9 Johnson, 19 Harris, 20 James

Iran: 24 S. Hosseini – 2 Moharrami, 8 Pouraliganji, 15 Cheshmi, 19 M. Hosseini, 5 Mohammadi – 7 Jahanbakhsh, 21 Noorollahi, 18 Karimi, 3 Hajsafi – 9 Taremi

Ersatz: 12 Niazmand, 22 Abedzadeh – 4 Khalilzadeh, 13 Kanaanizadegan, 23 Rezaeian, 25 Jalali – 6 Ezatolahi, 11 Amiri, 14 Ghoddos, 16 Torabi, 17 Gholizadeh – 10 Ansarifard, 20 Azmoun

Fraglich: 1 Beiranvand (Nasenverletzung)

Gruppe A – 2. Runde:

Katar – Senegal (Doha, Al Thumama Stadium, 14.00 Uhr MEZ/live ServusTV, SR Antonio Mateu/ESP)

Katar: 1 Alsheeb – 2 Pedro Miguel, 15 Al-Rawi, 16 Khoukhi, 3 A. Hassan, 14 Ahmed – 12 Boudiaf, 10 Al-Haydos, 6 Hatim – 11 Afif, 19 Ali

Ersatz: 21 Y. Hassan, 22 Barsham – 4 Waad, 5 Salman, 13 Khidir, 17 Mohamad, 25 Gaber, 20 Al-Hajri, 23 Modibo, 26 Tarek, 8 Asad, 9 Muntari, 7 Alaaeldin, 18 Muneer, 24 Alhadrami

Senegal: 1 E. Mendy – 7 Sabaly, 3 Koulibaly, 12 Cisse, 2 Jakobs – 13 P. Gueye, 6 N. Mendy, 5 I. Gueye – 15 Diatta, 21 Dia, 18 I. Sarr

Ersatz: 23 S. Dieng, 26 Gomis – 4 Diallo, 22 Ballo-Toure, 8 Kouyate, 11 F. Mendy, 14 Name, 17 P.M. Sarr, 16 Ciss, 24 N'Diaye, 9 Ndiaye, 19 Diedhiou, 20 B. Dieng, 25 Jackson

Fraglich: 8 Kouyate (Oberschenkel)

Gruppe A – 2. Runde:

Niederlande – Ecuador (Al-Rayyan, Khalifa International Stadium 17.00 Uhr MEZ/live ServusTV, SR Mustapha Ghorbal/ALG)

Niederlande: 23 Noppert – 2 Timber, 4 Van Dijk, 5 Ake – 22 Dumfries, 21 F. de Jong, 11 Berghuis, 17 Blind – 10 Depay – 7 Bergwijn, 11 Gakpo

Ersatz: 1 Pasveer, 13 Bijlow – 3 De Ligt, 6 De Vrij, 16 Malacia, 26 Frimpong, 20 Koopmeiners, 14 Klaassen, 15 De Roon, 24 Taylor, 25 Simons, 9 L. de Jong, 12 Lang, 18 Janssen, 19 Weghorst

Ecuador: 1 Galindez – 17 An. Preciado, 2 Torres, 3 Hincapie, 7 Estupinan – 19 Plata, 20 Mendez, 23 Caicedo, 10 Ibarra – 11 Estrada, 13 Valencia

Ersatz: 12 Ramirez, 22 Dominguez – 4 Arboleda, 5 Cifuentes, 6 Pacho, 14 Arreaga, 18 Palacios, 25 Porozo, 9 Ay. Preciado, 21 Franco, 8 Gruezo, 15 Mena, 16 Sarmiento, 24 Reasco, 26 Rodriguez

Fraglich: Valencia (Sprunggelenk)