Schon der erste Satz des ÖVP-Wien-Chefs Karl Mahrer bringt die Klimaaktivisten gegen ihn auf. "Die Volkspartei steht für Klimaschutz", sagt Mahrer beim Videotalk "STANDARD mitreden". Aber wenn Aktivisten Kunstwerke beschädigen und Straßen blockieren, habe er dafür kein Verständnis. Solche Aktionen seien der Versuch einer kleinen Minderheit, ihren Willen mit allen Mitteln der Mehrheit aufzuzwingen. "Halten Sie sich an demokratische Spielregeln", so sein Appell.

Der von ihm angesprochene Klimaaktivist Florian Wagner von der Letzten Generation, der im Leopold-Museum eine wie Öl aussehende Farbe auf das Gemälde "Tod und Leben" von Klimt schüttete, konterte scharf: Es sei "Lüge und Verblendung", die ÖVP als Klimaschutzpartei zu bezeichnen. "Ich kann mir das nur so vorstellen, dass Sie nicht einmal verstanden haben, was die Klimakrise tatsächlich ist."

Mahrer und Wagner waren zwei der Gäste bei der hitzigen Videodebatte rund um die Frage, ob es legitim ist und dem Klimaschutz dient, wenn Aktivisten Kunstwerke ins Visier nehmen und mit Farbe beschütten oder Straßen und Flughäfen blockieren.

Wagner dazu: "Ja, die Aktionen in Museen bringen Menschen auf. Aber die Menschen müssen provoziert werden. Eine gemütliche und schweigende Ablehnung der Klimakrise bringt uns in die Katastrophe. Bequeme und brave Proteste helfen seit 40 Jahren nicht."

Angriff auf Museen?

Von da an ging es mehr als 50 Minuten lang Schlag auf Schlag. Sehen Sie im Video: Was genau bezwecken die Aktivisten, wen wollen sie ansprechen. Das erklärt Amina Guggenbichler, Sprecherin der Gruppe Erde brennt, die derzeit an der Uni Wien einen Hörsaal besetzt hält. Der Politikwissenschafter Oliver Marchart analysiert, wie sich die aktuellen Aktionen in die Geschichte der Protestbewegungen einreihen. Sind die Proteste undemokratisch? Und wie sollte der Staat mit ihnen umgehen? Marchart klärt dazu auf.

Wolfgang Muchitsch, Präsident des Museumsbunds, der Dachorganisation der österreichischen Museen, erklärt, warum auch er lieber auf OMV-Sponsoring für Galerien verzichten würde, die Anliegen der Klimaschützer unterstütze, er die Museen nun aber als Angegriffene sehe.

Und heftig gestritten wird darüber, ob Österreich genug für Klimaschutz tut und auf welcher Seite die öffentliche Meinung steht – jener der Blockierer oder der ihrer Gegner. (Video: Sebastian Haller, 27.11.2022)