Könnte der Fuß zur Hand werden?

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Schon länger isst man kein oder weniger Fleisch, kauft vor allem regionale Produkte, spart Wasser, entsorgt den Biomüll und lässt konsequent das Auto stehen. Aber so groß die Bemühungen auch sind: Es ändert anscheinend wenig. Der ökologische Fußabdruck ist nämlich immer noch zu groß. Wenn alle auf dieser Welt einen derartigen Lebensstil hätten, wäre der CO2-Ausstoß so hoch, dass es die Ressourcen von drei Planeten bräuchte, ermitteln CO2-Rechner. Allein die öffentliche Infrastruktur, die wir nutzen, ist für viele Emissionen verantwortlich. Solche Nachrichten können bei jenen, die gewillt sind, umweltschonender zu leben, für Frustration sorgen.

Um diesem Frust entgegenzuwirken, haben Umweltpädagoginnen und -pädagogen aus Indien eine Alternative zum ökologischen Fußabdruck entwickelt: den ökologischen Handabdruck. Ausschlaggebend dafür sind nicht unsere Klimasünden – sondern das, was wir richtig machen. Vor allem geht es dabei um größere Aktionen, die nicht nur uns selbst, sondern auch unsere Mitmenschen betreffen. Beispiele wären: eine Biotonne für die Hausgemeinschaft zu organisieren, eine Tauschbörse für Babykleidung zu gründen oder sich für mehr vegetarische und vegane Gerichte in der Firmenkantine einzusetzen. Aber auch sein Geld nachhaltig anzulegen oder über eine eigene Solaranlage Strom ins Netz einzuspeisen würde den ökologischen Handabdruck verbessern. Wo der Einzelne seine Emissionen nicht mehr viel stärker verringern kann, kommt also sein Wirken in der Gesellschaft ins Spiel.

Einsatz zeigen zählt

Beim Handabdruck fällt deshalb auch politisches Engagement ins Gewicht. Das kann bedeuten, sich bei der Bürgermeisterin für mehr Bäume einzusetzen, ein Volksbegehren für ein Tempolimit auf der Autobahn zu unterschreiben oder auf Klimademos zu gehen. Wie stark der Einfluss Einzelner sein kann, zeigt das Beispiel von Greta Thunberg. Mit Fridays for Future setzte die Schülerin eine große politische Bewegung in Gang.

Expertinnen und Experten urteilen positiv über den ökologischen Handabdruck: "Uns Menschen liegt die Veränderung mehr als der Verzicht", sagt etwa Sari Nijssen, Umweltpsychologin an der Universität Wien. Gut daran sei auch, dass Klimaschutz als gemeinschaftliche Aufgabe verstanden werde, meint wiederum Gabriele Homolka von der Umweltberatung. "So funktioniert es vielleicht auch besser."

Messbar ist der ökologische Handabdruck, der am indischen Centre for Environment Education entwickelt wurde, allerdings noch nicht – er ist mehr ein Symbol. Das könnte auch seine Schwäche sein, sagt Psychologin Nijssen: Er ist zu unkonkret.

Ideen für ein Engagement

Die Organisationen Germanwatch und Brot für die Welt versuchen das zu ändern, sie haben einen "Handabdruck-Test" entwickelt. Der Onlinetest ermittelt zuerst das aktivistische Potenzial der Teilnehmenden durch Fragen wie: "Beim Gemeindefest ist das Catering kurzfristig ausgefallen. Was tust du?" Danach wird abgefragt, welche Bereiche – etwa Mobilität, Ernährung oder Energie – einem besonders am Herzen liegen. Anhand der Antworten zeigt das Tool konkrete Ideen für ein Engagement an.

Doch auch wenn das wertvolle Anstöße geben kann – eine Kritik, die für den Fußabdruck gilt, muss sich der Handabdruck gefallen lassen: Er lenkt die Aufmerksamkeit weg von großen Konzernen. Dabei sind es gerade auch sie, die dringend über ihre diversen ökologischen Abdrücke nachdenken müssten. (Lisa Breit, 3.12.2013)