Der Grinch hasst die Kommerzialisierung und Verlogenheit des Festes.

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So richtig bekannt wurde der Grinch bei uns erst in den Nullerjahren, als ihn Jim Carrey auf die Kinoleinwand brachte. Dabei gibt es ihn seit 1957. Damals erzählte der US-Kinderbuchautor Theodor Seuss Geisel ("Dr. Seuss") die Geschichte des grantigen, giftgrünen Wesens, das Weihnachten zu verhindern versucht, indem es den Kindern die Geschenke stiehlt. Dr. Seuss wollte damit die Kommerzialisierung von Weihnachten thematisieren.

Anders als Prinzessinen oder Drachen hat der Grinch inzwischen unzählige lebendige Doppelgänger im Geiste. Menschen, welche die Verlogenheit rund um Weihnachten unerträglich finden.

Eine Küchenumfrage ergab, dass mehr Männer und nur wenige Frauen grinchig sind. Und die Gruppe der Kinderlosen ist eher grinchig als Eltern von Gschrappen. Dabei können die Grinche leuchtenden Kinderaugen durchaus etwas abgewinnen, allein der meist bis zu diesem Ziel durchmessene Weg erschließt sich ihnen nicht.

Schiache Socken, hässliche Krawatten

Spielzeug, das eine Halbwertszeit von Minuten hat, ist ihnen ein Verbrechen an der Nachhaltigkeit. Den modernen Grinch widert also immer noch der Konsumzwang an. Schenkt man ihm unnötige Sockerln mit Weihnachtskugelmuster drauf oder eine hässliche Krawatte, dann darf man erwarten, dass er sich für den Beitrag gegen die Kinderarbeitslosigkeit in Fernost bedankt.

Für die einen geht es um die Freude beim Schenken von Kleinigkeiten. Der Grinch hingegen fühlt sich schnell mit Klumpert für eine Staffel der Liebesg’schichten ausstaffiert. Dem Grinch ist das unpersönlicher Tand, den er nicht kaufen würde, und ihm wäre es peinlich, diesen zu verschenken. Weil solche Geschenke sagen: "Mir wurscht, ob du damit eine Freude hast, ich will, dass du dich gefälligst freust." Das kann ja wohl nicht die Idee von Weihnachten sein.

Versöhnlich nur im Buch

Der Groll eines begeisterten Grinch endet nicht beim Kaufrausch. Selbst Familientreffen werden ihm zum Greuel, wenn auf diesen erst die Nächstenliebe zelebriert, später aber über Nachbarn oder Ausländer hergezogen wird. Alle reden. Niemand hört zu. Die Kinder sitzen vorm Fernseher und wischen auf ihrem neuen Telefon herum.

Bei Dr. Seuss hört der Grinch zum Schluss, wie die Kinder trotz der gestohlenen Geschenke Weihnachtslieder singen – und er erkennt so die wahre Schönheit des Festes der Liebe. Der moderne Grinch wird die lange suchen müssen. (Guido Gluschitsch, 24.12.2022)