Die Absturzstelle des Helikopters, mitten in einem Wohngebiet.

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Es waren die bisher höchstrangigen Verluste, die die Ukraine seit knapp einem Jahr Krieg einstecken musste. Bisher gab es beim Tod des Innenministers Denys Monastyrskyj, seines Stellvertreters Jewhenij Jenin und von Staatssekretär Juri Lubkowitsch aber keine Hinweise auf einen russischen Hintergrund. Der Hubschrauberabsturz stelle einen "schwarzen Morgen", eine "schreckliche Tragödie" dar und löse "unaussprechlichen Schmerz" aus, sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Stunden nach dem Absturz im Nordosten Kiews.

Gegen halb neun Uhr Mittwochmorgen war ein Hubschrauber des Typs Airbus H225, der im Verantwortungsbereich des Innenministeriums stand, auf dem Weg in Richtung Charkiw im Nordosten des Landes. Die mit neun Menschen besetzte Maschine erreichte die Front aber nicht. Etwa 20 Kilometer vom im dichten Nebel liegenden Kiewer Stadtzentrum entfernt stürzte die Maschine mitten in einem Wohngebiet in der Kleinstadt Browary ab.

DER STANDARD

Opferzahl korrigiert

Keiner der Insassen überlebte, und auch in einem Wohnhaus und einem nahe gelegenen Kindergarten gab es Opfer, sodass die Zahl der Toten am Mittwochabend 14 betrug. Auch ein Kind kam ersten Erkenntnissen zufolge ums Leben. Zuvor war zeitweise von 18 Toten die Rede.

Dass sich tatsächlich die gesamte Führungsriege eines Ministeriums im selben Hubschrauber befand, ist untypisch, besonders im Kriegszustand – bedingte nun aber, dass umgehend nach Ersatz gesucht wurde. Der bisherige Polizeichef Ihor Klymenko wird versuchen, die hinterlassene Lücke zumindest interimistisch zu füllen. Er wurde bereits zum stellvertretenden Innenminister ernannt, um sofort in seine Aufgabe eintauchen zu können.

Eine erste Herausforderung wird sein, die Unglücksursache zu klären, wenngleich der Sprecher der Luftwaffe bereits warnte, dass solche Ermittlungen immer eine gewisse Zeit brauchen. Der Inlandsgeheimdienst SBU wolle aber jedenfalls drei mögliche Ursachen in Betracht ziehen: einen Flugfehler des Piloten, eine technische Störung oder die gezielte Zerstörung des Hubschraubers.

Von ukrainischer Seite gab es keine Angaben darüber, ob es zum Zeitpunkt des Absturzes russische Angriffe in dem Gebiet gab. Aus Moskau gab es zu dem Unglück keine Stellungnahme. (faso, ksh, 18.1.2023)