Readymade mal anders: Gottfried Bechtold signiert kurzerhand die Silvretta-Staumauer und erhebt sie so zum Kunstwerk.
Foto: Gottfried Bechtold

Wien – Ad absurdum trieb Gottfried Bechtold die Idee des schnittigen Sportwagens der Automarke Porsche. Seit Anfang der 1970er-Jahre fertigt der Bregenzer Bildhauer und Konzeptkünstler massive Automobilskulpturen an und beraubt so das Statussymbol seiner luxuriösen Schnelligkeit. Als er eines der Modelle 1971 aus Beton gegossen in Bregenz aufstellte, führte das zum Skandal. "Wenn Beton das Hirn ersetzt", titelten die Vorarlberger Nachrichten, die feine Ironie hinter dem Objekt erkannten nicht alle.

Wie gut hätte einer dieser Bechtold’schen Wagen in das ehemalige Autohaus am Wiener Rennweg gepasst! Doch die aktuelle Ausstellung in dem nun dort angemieteten Neuen Kunstverein Wien widmet sich einem anderen Aspekt des 1947 geborenen Künstlers, der nie die nationale Bekanntheit erreicht hat, die er verdient hätte.

Das findet jedenfalls Gerald Matt, Ex-Direktor der Kunsthalle Wien, der die kleine Schau mit Judith Reichart und Jürgen Weishäupl in dem von seiner Ehefrau geleiteten Verein kuratiert hat.

In ähnlicher, aber vergänglicher Manier schrieb der Künstler auch seinen Namen in einen Schneehang am Arlberg.
Foto: Gottfried Bechtold

Duchamp-Persiflage

Unter dem Titel Signatur werden dort Werke Bechtolds vereint, die sich ein Spiel mit dem Aspekt künstlerischer Autorschaft erlauben. So zeugen Fotografien von Aktionen, bei denen er Landschaften mit seiner Signatur versieht – und somit zum Kunstwerk umwidmet.

Eine Persiflage auf Readymade-Urvater Marcel Duchamp: Anstatt einen alltäglichen Gegenstand ins Museum zu stellen und mit Unterschrift zum Kunstwerk zu erheben, reißt sich Bechtold beispielsweise gleich den Silvretta-Staudamm unter den Nagel und lässt in meterhohen Lettern seinen Namen darauf anbringen.

In ähnlicher, aber vergänglicher Manier schrieb der Künstler, der an der legendären Documenta 5 teilnahm, auch seinen Namen in einen Schneehang am Arlberg. Videos, Fotos und Skizzen zeugen von dem jüngsten Projekt, das Bechtold 2022 in Kooperation mit der ÖBB realisierte. Darin versah er die Taurus-Lokomotive mit künstlerischem Schriftzug und schloss so seine Signatur-Serie ab. Die Lok befährt weiterhin die Strecke Wien–Bregenz–Wien und ist so als Objektkunst im Land unterwegs. (Katharina Rustler, 19.1.2023)