Multifunktionär Matthias Krenn sagt, er habe "Spaß" mit seinen vielen Ämtern.

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Endstation Reha. Nein, mit Überarbeitung habe das nichts zu tun, sagt Matthias Krenn. "Ein Mountainbike hat mich abgeworfen. Schulterbruch", schmunzelt der Bad Kleinkirchheimer Bürgermeister. Wobei die andere Ursache nicht ganz von der Hand zu weisen wäre – worauf jetzt der Neos-Abgeordnete Gerald Loacker in einer parlamentarischen Anfrage an Sozialminister Johannes Rauch hinweist.

Matthias Krenn, der blaue Kärntner Bürgermeister, sammelte im Lauf der Jahre in Summe 16 zum Großteil öffentliche Funktionen. Loacker fragt den Minister: "Verstößt FPÖ-Multifunktionär Matthias Krenn gegen das Bezügebegrenzungsgesetz?" Das Bezügebegrenzungsgesetz limitiert die Zahl der Bezüge und Ruhebezüge auf höchstens zwei Einkommen von Rechtsträgern oder Unternehmen, die der Kontrolle des Rechnungshofs unterliegen. Für Loacker stellt sich die Frage, wie genau die Einhaltung des Bezügebegrenzungsgesetzes im Fall Krenn eigentlich kontrolliert und umgesetzt worden sei.

"Wie viele Stunden hat der Tag?"

Dieses Unterfangen ist bei all den Funktionen und Posten von Krenn freilich nicht einfach. Krenn ist ÖGK-Obmann, also Chef der Gesundheitskasse, weswegen die Anfrage auch an den Sozial- und Gesundheitsminister geht. Darüber hinaus: WKÖ-Vizepräsident, Bundesobmann der Freiheitlichen Wirtschaft, Landesobmann der Freiheitlichen Wirtschaft Kärnten, Ortsobmann der Freiheitlichen in Bad Kleinkirchheim, Vorstandsmitglied des Tourismusverbandes Bad Kleinkirchheim, stellvertretender Obmann im Regionalverband Nockberge / Millstätter See, Mitglied der ERP-Fachkommission, Beiratsvorsitzender der Therme St. Kathrein GmbH, Aufsichtsratsvorsitzender der Austria Wirtschaftsservice GmbH (AWS), Obmann des Fremdenverkehrsförderungsvereins Bad Kleinkirchheim, Kuratoriumsmitglied Biosphärenpark Nockberge, Mitglied des Verbandsrats im Bezirk Spittal/Drau, Vorstandsmitglied Wasserverband Millstätter See, Hotelier in Bad Kleinkirchheim und eben Bürgermeister von Bad Kleinkirchheim.

"Wie viele Stunden hat eigentlich ein Tag des Matthias Krenn? Denn mit 24 Stunden pro Tag ist ein solches Arbeitspensum nicht zu bewältigen. Alleine die Doppelfunktion als Bürgermeister eines Wintersportorts und als ÖGK-Obmann in Zeiten der Covid-Pandemie, des Medikamentenmangels und des Niedergelassene-Ärzte-Mangels scheint schon unmöglich durch eine Person bewältigbar zu sein. Wie soll sich das alles zeitlich ausgehen?", rätselt Loacker.

"Ich arbeite täglich bis Mitternacht und beginne dann wieder in der Früh", sagt Matthias Krenn im Gespräch mit dem STANDARD. Etliche Posten seien ja nur mit jenem des Bürgermeisters verbunden. Zudem habe er ja Teams um sich.

"Weil’s mir Spaß macht"

Warum er unbedingt 16 Jobs für sein Seelenheil brauche? "Weil’s mir einfach Spaß macht, 80 Stunden und mehr in der Woche zu arbeiten. Das belastet mich nicht, das ist ein positiver Stress. Mein Arzt sagt allerdings was anderes." Was er in Summe verdiene, fällt ihm auf Anhieb nicht ein. Aber: "Pensionsberechtigt bin ich nirgends", sagt der 63-Jährige. Aber er wolle ohnehin noch einige Jährchen anhängen.

Familiär hat sich Krenn, der immer wieder auch in der Kärntner FPÖ umgerührt hat, arrangiert. Er führt eine Wochenendehe. (Walter Müller, 24.1.2023)

Aktualisiert am25.1.2023, 16:05 Uhr: AWS teilt inzwischen mit, dass Matthias Krenn nicht mehr im Aufsichtsrat der Austria Wirtschaftsservice GmbH sitzt.