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Das berüchtigte Skandalblatt "National Enquirer" ist verkauft. VVIP übernimmt die Klatschzeitung und ein weiteres Boulevardblatt, den "Globe" von A360 Media. Details zu den finanziellen Bedingungen wurden nicht bekanntgegeben.

Foto: APA/Getty Images via AFP/GETTY I

Das berüchtigte Skandalblatt "National Enquirer" ist verkauft. VVIP übernimmt die Klatschzeitung und ein weiteres Boulevardblatt, den "Globe" von A360 Media. Details zu den finanziellen Bedingungen wurden nicht bekanntgegeben.

Zu zweifelhafter Berühmtheit schaffte es der "National Enquirer" mehrmals mit fragwürdigen Praktiken, etwa rund um Donald Trumps Präsidentschaftskandidatur. Das Unternehmen hatte Trumps Wahlkampf heimlich unterstützt, indem es etwa dem "Playboy"-Model Karen McDougal 150.000 Dollar für die Rechte an ihrer Geschichte über eine angebliche Affäre mit Trump zahlte. Das Unternehmen unterdrückte McDougals Geschichte bis nach der Wahl absichtlich.

"Unterhalb der Gürtellinie"

Auch Jeff Bezos, Gründer von Amazon, beschuldigte die Zeitung. Der "National Enquirer" habe ihn 2019 mit peinlichen Fotos, die an seine Freundin geschickt wurden, "unterhalb der Gürtellinie" bestechen wollen.

American Media verkaufte den "National Enquirer" und einige andere Publikationen im April 2019 an James Cohen, den ehemaligen Chef des Flughafen-Kioskunternehmens Hudson News. Die Transaktion wurde jedoch nie abgeschlossen.

Ende der amerikanischen Boulevardblatt-Ära

Im August 2020 trat David Pecker als CEO von American Media zurück. Zu diesem Zeitpunkt wurde American Media Inc. von Accelerate 360, einem Logistikunternehmen mit Sitz in Smyrna, Georgia, übernommen. Unter Pecker verbarg der "National Enquirer" jahrelang potenziell peinliche Geschichten über Trump und andere beliebte Prominente, indem er die Rechte an ihnen kaufte und sie nie veröffentlichte.

VVIP Ventures ist ein Joint Venture zwischen der Holdinggesellschaft für digitale Medien und Inhaltstechnologien Vinco Ventures Inc. und Icon Publishing.

Der Verkauf des "National Enquirer" deutet auf das Ende der amerikanischen Boulevardblatt-Ära hin. Ihre Stelle haben Hunderte von digitalen Influencern und Klatschseiten übernommen, die die gleichen Gerüchte verbreiten, oft sogar mit noch weniger Verantwortlichkeit.

Die meisten großen amerikanischen Boulevardzeitungen hätten es versäumt, sich an das digitale Zeitalter anzupassen, sodass ihre Leserschaft mit ihnen gealtert sei, analysiert die Newsplattform Axios.

Der "National Enquirer" besiegelt nun das Ende der Ära der gedruckten Klatschzeitungen. Dem vorangegangen waren:

  • Die New York Daily News, einst eines der einflussreichsten Boulevardblätter des Landes und eine der auflagenstärksten Zeitungen. 2017 wurde sie für nur einen Dollar an Tribune Publishing (damals Tronc) verkauft. Die neuen Eigentümer halbierten die Redaktion der Zeitung im darauffolgenden Jahr und schlossen die Büros im Jahr 2020. Jetzt versucht die Zeitung unter der Führung von Hedgefonds ein Comeback als Lokalzeitung.
  • Die New York Sun wurde 2008, zu Beginn des Zusammenbruchs der Druckindustrie, aufgrund steigender Verluste eingestellt. Sie wurde 2021 im Rahmen eines Bar- und Aktiendeals an Dovid Efune verkauft, einen Top-Redakteur der jüdischen Publikation "The Algemeiner", der nun versucht, die Zeitung als reines Digitalunternehmen wiederzubeleben.
  • Das OK! Magazine hat Berichten zufolge im vergangenen Jahr seine wöchentliche Druckauflage eingestellt, nachdem es seine Website 2021 an Empire Media verkauft hatte.
  • Die Printausgabe von Entertainment Weekly wurde im letzten Jahr eingestellt, nachdem die Muttergesellschaft Meredith 2021 an IAC verkauft und mit Dotdash fusioniert wurde.
  • Gawker, die aufregende Klatsch-Website, die 2022 an den Start ging, wird wieder geschlossen, wie ihre Eigentümer letzte Woche mitteilten. Die ursprüngliche Schließung im Jahr 2016 war das Ergebnis eines kostspieligen Rechtsstreits über die Verletzung der Privatsphäre, der zu einem Insolvenzantrag führte.
  • Die 2005 gegründete Klatschseite TMZ wurde im September von ihrer Muttergesellschaft Warner Media für weniger als 50 Millionen Dollar an Fox Entertainment verkauft. (red, 8.2.2023)