Marco Odermatt fuhr mit einer Fabelzeit zu WM-Gold in der Abfahrt.

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Der Schweizer Odermatt feiert seinen ersten Abfahrtssieg überhaupt.

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Marco Schwarz verpasst Bronze um vier Hundertstel.

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Die Experten waren sich diesmal einig, die WM-Abfahrt werde zur Beute eines Favoriten. Und so kam es dann auch. Das Gebolze am Sonntag auf der "Eclipse" in Courchevel wurde zum Duell der aktuell erfolgreichsten Rennläufer Marco Odermatt und Aleksander Aamodt Kilde. Der Schweizer gewann bei Sonnenschein und deutlichen Plusgraden im Zielbereich nach einer Traumfahrt in 1:47,05 Minuten 0,48 Sekunden vor dem Norweger. Auf Platz drei fand sich jedoch mit Cameron Alexander einer, mit dem wohl kaum jemand gerechnet hatte. Der Kanadier war aber bereits Sechster in Kitzbühel und hatte im März 2022 in Kvitfjell (zeitgleich mit dem Schweizer Niels Hintermann) immerhin schon einen Weltcupsieg verbucht.

Für Österreichs Abfahrer setzte es letztlich eine herbe Enttäuschung, war doch am ehesten in den Speeddisziplinen mit einer Medaille spekuliert worden. Vincent Kriechmayr hätte es richten sollen. Doch der Sieger der Abfahrten in Gröden, Bormio und Kitzbühel kam nicht über Platz elf (+1,16) hinaus, blieb auch im Super-G als Zwölfter unter den Erwartungen. Dabei hatte der Doppelweltmeister von Cortina d’Ampezzo 2021 vor einem Jahr bei der Generalprobe in Savoyen Abfahrt und Super-G gewonnen. Auch Daniel Hemetsberger konnte das Ruder nicht herumreißen, belegte Rang 14. Stefan Babinsky (32.) und Otmar Striedinger (Sturz) spielten nur Nebenrollen.

Schwarz zeigt auf

So war es just Techniker Marco Schwarz vorbehalten, als Vierter (+0,93) bester Österreicher zu werden. Der 27-jährige Kärntner war nach seiner überlegenen Bestzeit im Abschlusstraining als Mitfavorit gehandelt worden. Er verpasste Bronze in seiner erst zweiten Spezialabfahrt nach Wengen (Sechster) nur um vier Hundertstel.

Schwarz ist zu einem der beständigsten und besten Rennläufer im ÖSV gereift, der Kombinationsweltmeister von 2021 hat diesmal in der Kombi Silber geholt und war im Super-G als Sechster unmittelbar hinter Raphael Haaser zweitbester Österreicher. Er wird bei der WM auch noch Riesenslalom und Slalom bestreiten und entwickelt sich als starker Allrounder immer mehr zu einer der aussichtsreichsten Hoffnungen im Gesamtweltcup.

Großes Kristall hat Odermatt vergangene Saison geholt, und er ist auch heuer drauf und dran, die prestigereiche Auszeichnung erneut abzustauben, zumal er im Riesentorlauf und Super-G abräumt wie kein anderer. In Abfahrten war er schon siebenmal Zweiter, für seinen ersten Triumph in der Königsdisziplin konnte es keinen passenderen Rahmen als die WM geben. Für ihn sei es eine Riesengenugtuung, zumal er im Super-G als Vierter eine Medaille um elf Hundertstel verpasst hatte. "Ich wusste, dass etwas möglich ist, aber dass es schwierig wird. Nach den Trainings habe ich das nicht erwartet. Ich musste alles riskieren, habe alles gegeben und gewonnen, das ist sehr toll."

Schwierig

Für Kilde blieb einmal mehr nur Silber, nachdem er sich im Super-G um ein Hundertstel dem Kanadier James Crawford geschlagen geben musste. "Ein hungriger Odermatt ist schwierig zu schlagen, und mit der ganzen Schweiz auf seinem Rücken so eine Fahrt zu zeigen, ist unglaublich", sagte der Norweger.

Für den drittplatzierten Alexander kam Bronze nicht wirklich überraschend. "Wir pushen uns schon sehr lange gegenseitig, James Crawford ist von uns allen der Beständigste, und das macht uns alle zuversichtlich, auf das Podium kommen zu können."

Bei Schwarz überwog im ersten Moment "der Ärger". Er versuche es aber "im Großen und Ganzen positiv" zu sehen, weil sein Speed passe. Es sei "aber auch ein bisschen schade, weil mehr möglich gewesen wäre". Kriechmayr haderte: "Es war in Summe einfach nicht gut genug. Ich habe es probiert, wirklich versucht anzugreifen."

Die Österreicher blieben damit erstmals seit der WM 2013 in Schladming in Abfahrt und Super-G außerhalb der Medaillenränge. (Thomas Hirner, 12.2.2023)

Ergebnisse der WM-Abfahrt der alpinen Ski-Männer am Sonntag in Courchevel:

1. Marco Odermatt (SUI) 1:47,05
2. Aleksander Aamodt Kilde (NOR) +0,48
3. Cameron Alexander (CAN) +0,89
4. Marco Schwarz (AUT) +0,93
5. James Crawford (CAN) +1,01
6. Maxence Muzaton (FRA) +1,08
7. Florian Schieder (ITA) +1,09
8. Dominik Paris (ITA)/Miha Hrobat (SLO) +1,13
10. Thomas Dreßen (GER) +1,15
11. Vincent Kriechmayr (AUT) +1,16
12. Niels Hintermann (SUI)/Justin Murisier (SUI) +1,23
14. Daniel Hemetsberger (AUT) +1,28
15. Matteo Marsaglia (ITA) +1,53
16. Adrian Smiseth Sejersted (NOR) +1,58
17. Erik Arvidsson (USA) +1,61
18. Alexis Monney (SUI) +1,75
19. Romed Baumann (GER) +1,80
20. Mattia Casse (ITA) +1,83
21. Nils Allegre (FRA) +1,87
22. Henrik Von Appen (CHI) +1,88
23. Johan Clarey (FRA) +1,89
24. Ryan Cochran-Siegle (USA) +1,90
25. Elian Lehto (FIN) +1,92
26. Jared Goldberg (USA) +1,98
27. Josef Ferstl (GER) +2,07
28. Travis Ganong (USA) +2,20
29. Andreas Sander (GER) +2,40
30. Jeffrey Read (CAN) +2,45

weiter: 32. Stefan Babinsky (AUT) +2,69

Ausgeschieden: Otmar Striedinger (AUT), Brodie Seger (CAN)