Dieses Maskottchen eines türkischen Mobilfunkanbieters muss nun als Testimonial für den "Heehee-Button" herhalten.

Foto: Der Standard/Stefan Mey

"Heehee, heehee" ... genau diese Laute sollen Kindern mit dem "Heehee-Button" des Unternehmens Alecto Baby entlockt werden, indem er "das Stofftier des Kindes zum besten Freund werden lässt". Für knapp 60 Euro erhalten Eltern einen Button, der per Klettverbindung am Stofftier angebracht und per Bluetooth mit dem Handy verbunden wird. Durch die Geräusche aus dem kleinen Lautsprecher soll beim Kind anschließend der Eindruck entstehen, dass das Stofftier mit ihm spreche.

Der STANDARD hat den Heehee-Button einem Test mit den eigenen Kindern unterzogen. Und kommt zu einem vernichtenden Ergebnis.

Lieferumfang und Äußerlichkeiten

In der keinen braunen Verpackung befinden sich der Button per se, ein 17 Zentimeter kurzes USB-C-Ladekabel und drei Silikonhüllen, mit denen der Button farblich an die Bedürfnisse des Kindes angepasst werden kann. Außerdem finden sich ein Klettband für den Button und drei Klettbänder für die Kuscheltiere sowie eine Kurzanleitung auf Englisch und Sicherheitsanweise.

Unboxing.
Foto: Der Standard/Stefan Mey

Der Button selbst ist auf der Rückseite mit dem erwähnten Klettband ausgestattet. An der Frontseite befinden sich ein kleiner Lautsprecher, ein Mikrofon, ein Button zum Ein- und Ausschalten und eine LED-Leuchte.

Die besagten drei Klettbänder kann man an die Stofftiere annähen, muss man aber nicht, wenn man den besten Freund des Kindes nicht unnötig verunstalten will – auf bestimmten Stoffen hält das Klettband des Buttons auch so. Das kurze Ladekabel ist per se kein Drama, zumal wohl in jedem gut sortieren Haushalt ausreichend längere Kabel des USB-C-Typs herumliegen dürften.

Untauglichkeit als Babyphon

Weniger praktisch ist aber, dass die – eigentlich recht knuffige – Silikonhülle jedes Mal entfernt werden muss, wenn man den Heehee-Button aufladen möchte. Und aufladen muss man ihn oft: Der Hersteller spricht von sieben Stunden Akkuleistung, auch im Test kamen wir keinen ganzen Tag ohne Aufladen durch.

Die Frontseite: Lautsprecher, Mikrofon, Einschaltknopf, Status-Leuchte.
Foto: Der Standard/Stefan Mey

Allein aus diesem Grund fällt der Button als Babyfon-Ersatz aus, was aber durch den Menüpunkt "Schreierkennung" in der App fälschlicherweise suggeriert wird. Eltern müssen sich nun mal darauf verlassen können, dass die Verbindung zum Kind die ganze Nacht aufrecht bleibt.

Apropos Verbindung: Die Verbindung zwischen Button und Handy läuft über Bluetooth 5.3, laut Hersteller beträgt die Reichweite bis zu zehn Meter. Auch das ist in größeren Wohnungen ein Totschlagargument für den Einsatz als Babyfon.

Eine App, die aus der Hölle kommt

Doch genug von diesem einen, ganz spezifischen und eigentlich inexistenten Use Case. Immerhin soll der Heehee-Button ja eigentlich dazu führen, dass das Kind einen neuen Spielzeugfreund findet und von ihm unterhalten wird, während die Eltern ungestört Elternsachen machen können. Oder? Um dies zu testen, muss man die kostenlose App – erhältlich für iOS und Android – installieren.

Stellen Sie sich – liebe Leserin, lieber Leser – an dieser Stelle bitte vor, dass der Autor einige Zeit lang vor seiner Tastatur sitzt und ins Leere starrt, bevor er wieder wie manisch in die Tasten hämmert. Wo soll ich bloß beginnen, alle Mängel aufzuzählen, die diese App hat? Es sind einfach so verdammt viele.

Interface wie in alten Zeiten und Bluetooth-GAU

Das Interface sieht allgemein so aus, als sei es vor zehn Jahren entstanden. Monochrome Icons dominieren das Bild, kombiniert mit einem Suchfeld, das wohl dabei helfen soll, die unintuitiv verteilten Menüpunkte doch möglichst schnell zu finden, denn Zeit ist bei der Nutzung dieses Gadgets entscheidend für den Familienfrieden – aber mehr dazu später.

Sonderlich viel Liebe steckt nicht in diesem User-Interface.
Foto: Screenshot

Der einzige Farbklecks im Interface ist jedenfalls die recht oft aufpopppende Warnung, dass es keine Bluetooth-Verbindung gebe. Denn diese muss immer wieder neu hergestellt werden, wenn aus irgendeinem Grund die Verbindung verloren wurde oder etwa der Akku leer war.

Automatisches Verbinden? Fehlanzeige.
Foto: Screenshot

Das klappt manchmal, manchmal auch nicht. Und wenn es nicht klappt, ist es bitter: Ohne aktive Bluetooth-Verbindung ist der Button weitgehend nutzlos, da er somit nicht vom Handy aus gesteuert werden kann. Und auch die App – etwa das Einspielen von Songs oder Geschichten – lässt sich weitgehend nicht nutzen, wenn der Button nicht verbunden ist.

Seltsame Warnungen, alte Version

Aber keine Sorge, die Bluetooth-Warnung ist nicht die einzige, die der Button ausspuckt, die App ist gut gefüllt mit Hinweisen, dass irgendetwas nicht funktioniert. Einer meiner Lieblingsbugs ist jener, wenn der Punkt "Mikrofon" ausgewählt wird. Dann erfährt man, dass die App entsprechende Berechtigungen erfordert, woraufhin man auf das Android-Menü für App-Berechtigungen verwiesen wird.

Foto: Screenshot

Wer hier manche Berechtigungen erteilten will, andere aber nicht, erfährt ein interessantes Detail: Die App unterstützt die neueste Version von Android nicht, wodurch Berechtigungen für Musik- und Audiodateien nicht getrennt von jenen für Fotos und Videos erteilt werden können.

Foto: Screenshot

Na gut, dann gehen wir halt das Risiko halt ein und vergeben alle Berechtigungen, die es gibt – damit sollte das Feature doch funktionieren, oder? Fehlanzeige. Auch nach Aktivieren aller Berechtigungen erscheint noch immer die gleiche Fehlermeldungen, auf die Walkie-Talkie-Funktion mit meinen Kindern muss ich also auch verzichten.

Null Bewertungen, zweistellige Downloads

Ein anderer obskurer Bug ist, dass die App permanent eine Pop-up-Nachricht einblendet. Diese enthält keine echten Informationen, sondern lediglich einen kurzen Text: "Hehe Button". Liebes Korrektorat, bitte nicht ausbessern, das ist kein Tippfehler: Die Developer der App waren sich offenbar tatsächlich nicht einig, ob man das Produkt "Hehe" oder "Heehee" schreibt.

Foto: Screenshot

Angesichts dieser Zustände wagte ich einen kurzen Re-Check im Play Store. Ja, es ist tatsächlich die einzige App, die mit diesem Namen und dem korrekten Logo gelistet ist. Die Downloads befinden sich allerdings im zweistelligen Bereich, es gibt keine einzige Bewertung. Ich wage die vorsichtige Annahme, dass es sich bei diesem Produkt um keinen Verkaufsschlager handelt.

Genug gesudert ... aber kann der Button irgendwas?

Aber gut, irgendwas kann dieser Button, der knapp 60 Euro kostet, schon. Zum Beispiel gibt es den Punkt "Nachahmung", bei dem das Kind in das Mikrofon des Buttons spricht und dieser das Gesagte in höherer Tonhöhe zurückwirft. Eltern hassen diesen Trick. Und man kennt ihn von diesen Labertieren, die es schon länger gibt und die etwa ein Drittel kosten. Immerhin: Hurra, hurra, die Funktion ließ sich sogar problemlos nutzen.

Eine weitere Funktion ist jene, den Button Songs und Geschichten abspielen zu lassen – also die Funktion, die sonst von einem CD-Player, einem Smartphone oder einer Tonie-Box erfüllt wird, nur ein bisschen schlechter. Mehr dazu in unserem ...

Exkurs zu Datenschutz und -portabilität

Denn es sind schon ein paar Lieder und Geschichten auf dem Button installiert, diese sind aber von eher mäßiger Qualität. Recht schnell kam daher das Bedürfnis auf, zusätzliche Inhalte auf das Gerät zu spielen. Dies ist allerdings nicht über einen simplen MP3-Import möglich, sondern muss in Echtzeit über das Mikrofon des Smartphones erfolgen – mit dem Nebeneffekt, dass Papa öfters mal eine ganze Hörspielfolgenlänge von seinem liebsten Spielzeug getrennt war, weil es ruhig neben dem CD-Player liegen musste. Mit den Kindern wurde geschimpft, wenn sie in dieser Zeit zu laut spielten und somit die Aufnahme störten.

Mit Hülle schaut der Button eigentlich ganz nett aus.
Foto: Der Standard/Stefan Mey

Irgendwann bin ich dazu übergegangen, aus der Not eine Tugend zu machen und einen lange gehegten Plan in die Tat umzusetzen: Kinderbücher vorlesen und so eigene Hörbücher für die Kinder herstellen. Das kam hausintern auch gut an, bringt uns auf lange Sicht aber auf das Thema Datenportabilität: Denn da ich die Hörbücher in der App eingesprochen habe, sind sie dort bis in alle Ewigkeit gefangen, eine Funktion zum Exportieren sucht man vergeblich.

Immerhin, und das muss wirklich positiv angemerkt werden: Es gibt kein Abomodell, keinen Clouddienst und noch nicht einmal eine Verpflichtung zur Einrichtung eines Accounts. Die Datenweitergabe findet per Bluetooth bilateral zwischen Button und Handy statt. Zumindest in puncto Datenschutz muss man sich also wenig Sorgen machen.

Ein Schachtürke für Kinder

Und dann wäre da noch die Kernfunktion des Geräts: die Möglichkeit, dass sich das Kind mit dem Stofftier unterhält und so einen neuen Freund findet. Doch auch hier müssen die Erwartungen enttäuscht werden. Denn in dem Button steckt kein smarter Assistant, stattdessen funktioniert das Gerät nach dem Konzept des legendären Schachtürken: Ein Roboter wird simuliert, dahinter sitzt aber ein Mensch. In diesem Fall der liebe Herr Papa, der auf jede Frage der Kinder in der App unter Zeitdruck nach der richtigen Antwort suchte, die der Button anschließend ausplauderte.

In der Praxis sorgte dies bei den Kindern – ergänzend zu der allseits beliebten Nachplapper-Funktion – für Unterhaltung, solange ich selbst auch bei der Stange blieb. Im Umkehrschluss hatte ich aber erst recht nicht mehr Freizeit, und als meine Tochter mich in einer Situation fragte, warum der Button nicht mehr mit ihr reden wolle, entgegnete ich genervt, dass er keine Lust mehr habe.

Seitdem liegt er irgendwo in der Ecke rum. Zuletzt habe ich ihn irgendwo beim Altglas hinter den Bierflaschen gefunden. Ob es eine Möglichkeit gibt, das Gerät wie Apple Airtags durch Abspielen eines Tons zu finden, fragen sie? Weil Kinder ja bekannt dafür sind, öfters mal Dinge zu verlieren? Geh bitte ... nein.

Fazit: Finger weg

Positiv anzumerken ist abschließend noch, dass das Gerät selbst aus BPA-freiem Material besteht, der Lautsprecher spritzwassergeschützt ist und der integrierte Akku nicht herausgenommen werden kann, wodurch er sicher vor den Kindern ist. Das ist wichtig. Aber es täuscht auch nicht darüber hinweg, dass hier ein weitgehend nutzloses und unfertiges Produkt auf den Markt geworfen wurde. Mit dem Versprechen, Eltern das Leben zu erleichtern und Kinder zu unterhalten. Dieses Versprechen wurde nicht gehalten. Von einem Kauf muss explizit abgeraten werden. (Stefan Mey, 13.2.2023)

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Das Produkt wurde zu Testzwecken von Alecto Baby zur Verfügung gestellt.