Der Franzose Pinturault hat keinen Heimwerkerbedarf.

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Man konnte sich schon wundern, als Audi im November als Hauptsponsor der alpinen Ski-WM plötzlich absprang und Zgonc die Rolle im Jänner spontan übernahm. Das mit 37 Filialen und 550 Mitarbeitern rein auf Österreich fokussierte Fachgeschäft für Werkzeuge, Maschinen, Bau- und Gartengeräte ist in Courchevel und Méribel sehr präsent. Die schrillgelben Logos des Familienbetriebs zieren die Starthäuser, die Torflaggen, die Zielbögen bis hin zu den Exitgates, durch die die Rennläufer aus dem Zielbereich huschen.

Begrenzte Expansion

Die internationale Werbewirkung ist nicht zu unterschätzen, wird doch der Event in viele Ländern dieser Welt übertragen, wenngleich es freilich nicht annähernd mit einer Fußballweltmeisterschaft vergleichbar ist. Kurios erscheint, dass Zgonc damit internationale Bekanntschaft erreicht, aber überhaupt nicht plant, über die Landesgrenzen Österreichs hinaus zu expandieren. Für dieses Jahr ist die Eröffnung zweier neuer Standorte im Süden geplant. Die Filialen konzentrieren sich auf den Osten des Landes, die westlichste befindet sich in Salzburg.

Der Deal entstand nach einem Anruf von Fis-Vermarkter Infront als "Bauchentscheidung in einem kurzen Telefongespräch", sagt Geschäftsführer Michael Dockal. Normalerweise ist ein WM-Sponsoring wie dieses, das im Bereich von vier bis fünf Millionen Euro liegt, nur für einen großen Konzern zu stemmen. Audi fungiert auch als Partner einer Reihe nationaler Skiverbände, unterstützt Österreich, die Schweiz, Italien, Norwegen, Frankreich, Deutschland und Schweden.

Durch den kurzfristigen Rückzug des Ingolstädter Autobauers, der seinen Vertrag als Weltcupsponsor erst mit Saisonstart bis 2025/26 verlängert hatte, war der internationale Skiverband Fis plötzlich in der Bredouille und musste notgedrungen das Angebot günstiger gestalten. Zgonc hat dem Vernehmen nach etwas mehr als eine Million Euro bezahlt. "Es ist das erste Mal überhaupt, dass ein mittelständisches, regionales Unternehmen als Hauptsponsor der WM fungiert", sagt der 55-jährige Dockal. "Man hat offenbar sonst niemanden gefunden, der so schnell zusagen konnte."

Die Starthäuser sind gelb.
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Wer will?

Die großen Player scheinen nicht gerade Schlange, um ein Engagement gestanden zu sein. Neben Zgonc sind auch die Schweizer Luxusuhrenmarke Longines, die deutsche Montagetechnikfirma Würth, die internationale Versicherungsanstalt Generali, der niederländische Reifenhersteller Vredestein, der deutsche Schmiermittelhersteller Liqui Moly und die polnische Sportbekleidungsfirma 4F Sponsoren der WM. Sie treten etwa auch abwechselnd als Startnummernsponsoren in Erscheinung. Zgonc wird diese Rolle zum Abschluss der WM beim Slalom der Männer am Sonntag übernehmen, zumal der Torlauf Dockals Lieblingsrennen ist.

Zgonc hat nicht zuletzt durch Markenbotschafter Hans Knauß einen Bekanntheitsgrad von 65 Prozent in Österreich erreicht, damit will man sich nicht zufriedengeben. Den durch Werbung bekannten Slogan "Raunz’ ned, kauf!" hat man kurzerhand adaptiert, er lautet vorübergehend: "Raunz’ ned, foah!" Knauß spricht von einer "Sensation, die wir hier abliefern." Er werde aber immer wieder gefragt, was Zgonc eigentlich ist. Diesbezüglich sollte das Engagement bei der WM und speziell auch die bisher fünf ÖSV-Medaillen dienlich sein.

Das Unternehmen feiert heuer 66-jähriges Jubiläum und lockt mit speziellen Sonderangeboten, es ist wie Audi seit Jahren Sponsor des Ski-Weltcups. Für 13 bis 14 Rennen sind rund eine Million Euro hinzublättern. Vertraut man den Kalkulationen, so werden damit insgesamt rund 180 Millionen Zuschauer erreicht. Rund zehn Prozent sollen aus Österreich kommen. Begeisterte Fans schauen eben öfter und zählen daher auch mehrmals. Den Streuverlust von satten 90 Prozent nimmt das Unternehmen in Kauf.

One-Hit-Wonder

Zgonc blickt auf das bisher erfolgreichste Geschäftsjahr zurück. Der Umsatz konnte 2022 im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent auf 129 Millionen Euro gesteigert werden. Zu einem guten Teil ist der Anstieg der Pandemie zu verdanken. Dockal glaubt, dass der Trend zum Selbermachen und Reparieren weiterhin anhält.

Wie es hinsichtlich der WM 2025 in Saalbach/Hinterglemm weitergeht, hängt auch mit den Plänen der Fis zusammen, die eine zentrale Vermarktung gegen den Willen der großen Verbände durchzuboxen versucht. Zgonc-Boss Dockal winkt jedenfalls ab: "So etwas wird nie wieder passieren, das war eine einmalige Sache." (Thomas Hirner aus Méribel, 15.2.2023)