Herzinfarkte werden bei Frauen oftmals zu spät diagnostiziert weil sie andere Symptome aufweisen als Männer.

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Wien – Der Anteil an Todesfällen durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist bei Frauen signifikant höher als bei Männern. Das ergab der am Donnerstag vorgestellte Frauengesundheitsbericht 2022. Konkret starben im Jahr 2021 daran 35,7 Prozent der Frauen, bei Männern waren es 32,9 Prozent. Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) sprach bei der Präsentation die größere mentale Belastung als mögliche Ursache an: "Das ist gesellschaftlich zu wenig auf dem Radar."

"Viele Frauen stehen über viele Jahre unter Doppel- und Dreifachbelastung", so Rauch. Zu Erwerbsarbeit und Kindererziehung kämen häufig Gewalterfahrung, Armut und Isolation im Alter. Dessen müsse man sich annehmen und "Probleme angehen", sagte der Minister. Laut dem Frauengesundheitsbericht werden Herz-Kreislauf-Erkrankungen trotz der Häufigkeit als Todesursache bei Frauen weiterhin als typisch männliche Erkrankungen wahrgenommen.

Verspätete Herzinfarkt-Diagnose

Die Inzidenz behandelter Herzinfarkte war bei Männern mit 244 pro 100.000 Personen höher als bei Frauen (99). Auf der anderen Seite starben davon nur 4,4 Prozent innerhalb von 30 Tagen. Bei Frauen war die Rate mit 5,9 Prozent höher. Das liege unter anderem an den unterschiedlichen Symptomen und der oft verspäteten Diagnosestellung bei Frauen.

Mit durchschnittlich 83,7 Jahren leben Frauen zwar etwas länger als Männer (78,8 Jahre). Davon verbringen sie allerdings 19,3 Jahre in "mittelmäßiger bis schlechter Gesundheit". Bei Männern beträgt dieser Wert 16,2 Jahre. Insgesamt zweithäufigste Todesursache sind Krebserkrankungen. Unterschiede nach dem Geschlecht gibt es auch bei psychischen Erkrankungen. Bei Mädchen und jungen Frauen unter 20 Jahren sind psychische Erkrankungen mit 27 Prozent sogar die häufigste Ursache für in Krankheit verbrachte Lebensjahre.

Erster Bericht seit zehn Jahren

Den Frauengesundheitsbericht hat ein Team aus Expertinnen und Experten der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) erstellt. Es war das erste Mal seit zehn Jahren, dass ein derartiger Bericht veröffentlicht wurde. Gesundheitsminister Rauch: "Es ist ein aussagekräftiges und wichtiges Dokument. Die Umsetzung war mir ein großes Anliegen." Lobend erwähnte er die seit Anfang Februar bis zum vollendeten 21. Lebensjahr ausgeweitete kostenlose HPV-Impfung gegen mehrere häufige Krebsarten bei Frauen und teils auch bei Männern. Für die Zukunft kündigte Rauch weitere Studien an.

Sylvia Gaiswinkler von der GÖG hob die gesellschaftlichen Aspekte des Berichts hervor. In der Medizin sei der Blick oft auf Männer gerichtet, frauenspezifische Anliegen würden vernachlässigt werden: "Viele Faktoren kommen in Gesundheitssystem und Forschung nicht vor. Ein Perspektivenwechsel ist notwendig." Die Wissenschaftskommunikatorin Elka Xharo machte in diesem Zusammenhang auf den Gender Data Gap aufmerksam: "Differenzierte Datenerhebung kann Leben retten." (APA, 16.2.2023)