Hielt am Dienstag eine Rede zur Lage der Nation samt Täter-Opfer-Umkehr: Wladimir Putin.
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"Sie (die westlichen Staaten, Anm.) haben Pädophilie zur Norm ihres Lebens erklärt und wollen solche als human dargestellten Werte jedem in der Welt aufzwingen. Ihr Ziel ist, uns die historischen Territorien, die jetzt Ukraine heißen, zu entreißen."

Aus der Rede Wladimir Putins zur Lage der Nation diese Woche. In künftigen historischen Seminaren wird das einmal als Musterbeispiel für aggressive Paranoia und Täter-Opfer-Umkehr gelehrt werden. Putin spricht hier zwei seiner Obsessionen an: einerseits seine Vorstellung vom "dekadenten Westen", der dem heiligen Mütterchen Russland seine zutiefst verdorbenen Sitten aufzwingen will; andererseits ist der Westen aber doch nicht so dekadent und verrottet, dass er dem heiligen Russland nicht "unsere historischen Territorien" entreißen wollte und könnte.

Das ist ein Blick in den Kopf des Mannes, mit dem die Ukraine laut Sahra Wagenknecht, Alice Schwarzer und anderen "verhandeln" sollte. Dass er den Überfall seinerzeit mit "Entnazifizierung" der Ukraine begründet hatte und inzwischen als Ziel den glatten Landraub nennt, sei hier nur angemerkt.

Aber es geht hier nicht mehr vorrangig um die Widerlegung von Lügen. Es geht darum, dass Putin sich offensichtlich in einer existenziellen Auseinandersetzung mit dem Westen glaubt. Es geht um die Frage, wie man mit jemandem umgeht, der beweisbar in einer Wahnwelt lebt. (Hans Rauscher, 24.2.2023)