Hat 30 Kilo abgenommen, ist aber noch immer eine gewichtige Stimme in der Kfz-Werkstatt-Branche: Ostoja "Ossi" Matić, Gründer und Chef von Lucky Car. "Jeder kann es schaffen", ist sein Motto.

Foto: christian fischer

Bei manchen sind höchstens die Ostereier gelb. Für Lucky-Car-Chef Ostoja "Ossi" Matić ist die knallige Farbe, die er auch für seine Autowerkstattkette gewählt hat, ein Mittel, um hervorzustechen. Zum Termin kommt er im Maßanzug und mit gelb-gerahmter Brille. Er liebe Autos, fahre privat einen Tesla X, in gelber Farbe. Er gehe zum Wohle der Gesundheit aber auch gern zu Fuß.

STANDARD: War es Zufall oder Glück, dass es Sie in die Kfz-Werkstätten-Branche verschlagen hat?

Matić: Ich habe mich immer für Autos interessiert, insofern war es naheliegend, etwas in diese Richtung zu machen.

STANDARD: Muss man Autos mögen, um in diesem Geschäftszweig erfolgreich zu sein?

Matić: Im Vordergrund stehen die Kunden und Kundinnen. Die kommen zu uns, weil ihr Auto etwas hat. Also sollte, wer bei uns arbeitet, Autos auch mögen.

STANDARD: Viele Menschen bekommen ein ungutes Gefühl, wenn sie in die Werkstätte fahren. Warum?

Matić: Weil sich die meisten Werkstätten leider ungut zu ihrer Kundschaft verhalten. Bei Markenbetrieben bekommt man einen Termin in der Regel sehr spät, trifft auf wenig motivierte Mitarbeiter oder, wenn sie motiviert sind, auf solche, die für das Unternehmen Zusatzgeschäfte machen wollen. Dementsprechend werden Sachen verrechnet, die nicht verrechnet werden sollten. Genau das ist andererseits unsere Existenzberechtigung, weil wir als freie Werkstätte einen anderen Kundenzugang haben.

Größtmögliche Zufriedenheit der Kunden sei nur zu erreichen, wenn man mit offenen Karten spielt, sagt der Chef von Lucky Car, Ostoja "Ossi" Matić.
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STANDARD: Welchen?

Matić: Der Kunde oder die Kundin sollte nicht warten müssen auf einen Termin, den Kostenvoranschlag gibt es gratis, ein Ersatzauto auch. Oder Taxigutscheine, je nachdem, was gewünscht wird.

STANDARD: Größtmögliche Transparenz als Erfolgsrezept?

Matić: Größtmögliche Zufriedenheit auf Kundenseite. Das geht aber nur, wenn man mit offenen Karten spielt. Unser Vorteil ist, dass wir hochmotivierte Franchisepartner haben, die ihr eigenes Kapital einbringen – mindestens 50.000 Euro – und sich gegenüber Kunden anders verhalten als Filialleiter oder Annehmer in Markenhäusern.

STANDARD: Sie sind gelernter Wasserinstallateur, haben im Tourismus gearbeitet, in einer Versicherungsagentur, haben ein Mietwagenunternehmen und später eine Reinigungsfirma gegründet, bis Sie gefunden haben, was Ihnen anscheinend wirklich Spaß macht – Lucky Car. Was hat bei den anderen Unternehmungen nicht gepasst?

Matić: Die Erfahrung hat gefehlt. Die kommt auch durch Misserfolge. Wichtig ist, nach Niederlagen wieder aufzustehen, sich selbst zu motivieren, weiterzumachen.

STANDARD: Wollten Sie immer schon Unternehmer werden?

Matić: Ich wollte viel Geld verdienen und habe mir gedacht, wenn du Unternehmer wirst, bist du automatisch reich. Das ist aber nicht so. Als Unternehmer zahlst du dir als Allerletztem das Geld aus. Sieben Jahre haben ich und meine Familie mehr oder weniger von nichts gelebt. Ich habe alles in den Betrieb gesteckt, von Freunden und Bekannten Geld geliehen, wenn die Banken nicht mitgespielt haben, aber alles zurückgezahlt. Und ich habe überlebt.

STANDARD: Was bedeutet heute Geld für Sie?

Matić: Das ist mittlerweile nebensächlich. Viel wichtiger ist Zeit. Die vergeht aber so schnell.

STANDARD: Wie kam es zum Namen Lucky Car und zum knalligen Gelb?

Matić: Den Namen hat eine Werbeagentur kreiert; das Logo, das ein Auto mit menschlichen Zügen, Mund und Augen zeigt, auch. Zuerst dachte ich, was soll das? Das scheint im Kindergarten gemacht worden zu sein. Bis ich draufgekommen bin, es ist schön. Bei der Farbwahl hatte ich die ÖAMTC-Pannenautos im Kopf, die, egal wo sie stehen, herausstechen. So etwas wollte ich.

Selfmademan Matić in der Zentrale von Lucky Car im ersten Bezirk in Wien.
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STANDARD: Sie sind 1979 als Achtjähriger mit Ihren Eltern aus Banja Luka, Bosnien, nach Österreich gekommen. Wie ist es Ihnen ergangen?

Matić: Das erste halbe Jahr war furchtbar. Ich bin hier in der dritten Volksschulklasse eingestiegen, mit null Deutschkenntnissen. Unterhalten habe ich mich nur mit nicht deutschsprachigen Schülern.

STANDARD: Hat man es mit Migrationshintergrund generell schwerer in Österreich?

Matić: Total. Schon damals hat es geheißen – "die Jugos", "die Türken". Man war immer ein Mensch zweiter Klasse.

STANDARD: Was haben Sie gemacht?

Matić: Mich noch mehr bemüht. Ich habe Deutsch gelernt, wollte mich integrieren. Das war ein schwerer Kampf, hat aber auch mein Selbstvertrauen gefördert und mich stark gemacht. Meine Eltern hatten eine Hausmeisterwohnung, wir waren im Erdgeschoß, oberhalb haben die besseren Leute gewohnt. Als Kind habe ich oft gedacht, wann werde ich einmal da oben wohnen, das Haus nicht kehren müssen, nicht putzen. Dafür habe ich gekämpft.

STANDARD: Als Sebastian Kurz Integrationsstaatssekretär war, sind Sie von ihm zum Integrationsbotschafter ernannt worden, gehen nach wie vor in Schulen, halten Vorträge. Wie wichtig ist Ihnen das?

Matić: Sehr wichtig. Auch den Lehrlingen, die wir im Unternehmen beschäftigen, möchte ich kommunizieren, dass alles möglich ist, auch wenn andere es einem nicht zutrauen. Ich war selbst Lehrling und weiß, wie man sich fühlt. Wie bei allem muss die Gesundheit mitspielen. Was hilft dir Erfolg, wenn du nicht mehr gehen kannst?

STANDARD: Hatten Sie diesbezüglich Probleme?

Matić: Ich war schwer übergewichtig, hatte in der Spitzenzeit 135,8 Kilo – Folge von zu viel Stress. Ich habe die Ernährung umgestellt, gehe viel spazieren und habe seit vergangenem August rund 30 Kilo abgenommen. Wenn ich jetzt in den Spiegel schaue, sehe ich eine andere Person.

STANDARD: Was haben Sie empfunden, als Kurz zuerst als Bundeskanzler zurückgetreten und dann komplett von der Politikbühne abgetreten ist?

Matić: Schade, er hätte in seinem Alter noch viel mehr umsetzen können. Politik ist ein undankbares Geschäft. Hochachtung vor denjenigen, die sich das antun. Ich könnte das nicht.

STANDARD: Zwischen freien Werkstätten und Vertragswerkstätten ist das Verhältnis angespannt?

Matić: Alle haben aufgrund der aktuellen Wirtschaftssituation Probleme. Jeder Unternehmer ist darauf bedacht, möglichst viel Gewinn zu machen. Irgendwann spielen aber die Kunden nicht mehr mit. Die Neuwagenpreise sind nach oben geschossen, die Kunden wissen im Moment nicht, was sie kaufen sollen – ein Elektroauto oder doch noch eines mit Verbrennungsmotor. Die Verunsicherung ist groß.

STANDARD: Sind Elektroautos eine Gefahr für die Kfz-Werkstätten?

Matić: Wenn man es hauptsächlich mit der Karosserie zu tun hat wie wir, ist es egal, ob das Auto einen Elektromotor hat oder einen Verbrenner. Was aber den mechanischen Teil betrifft, ist klar, da gibt es beim Elektroauto nichts zu tun.

Lucky-Car-Chef Matić liebt Autos, fährt privat einen Tesla Model X und nennt als sein liebstes Hobby: "Meine Motoryacht in Kroatien".
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STANDARD: Haben Sie außer Autos noch andere Hobbys?

Matić: Ich bin gerne am Meer, habe eine Yacht in Opatija. Wenn man Bootsluft geschnuppert hat, will man keinen normalen Urlaub mehr machen. Voriges Jahr war ich sicher zwei Monate am Wasser. Ich kann dort genauso gut arbeiten wie in Wien. Wichtig ist eine gute Telefon- und Internetverbindung. Das gilt bei Lucky Car übrigens generell. Unsere Büromitarbeiter müssen nur zwei Tage im Haus sein, die restliche Zeit können sie im Homeoffice arbeiten. Das hat sich bewährt.

STANDARD: Viele klagen, schwer Mitarbeiter zu finden. Sie auch?

Matić: Momentan haben wir keine Schwierigkeiten. Wir bilden Lehrlinge aus, brauchen aber auch zunehmend Leute, die eine Hochvoltausbildung haben. Nur diese dürfen ein Elektroauto angreifen. Wir schauen, dass die Arbeitsbedingungen passen, das spricht sich herum. Außerdem gibt es bei uns die Aktion "Mitarbeiter wirbt Mitarbeiter".

STANDARD: Apropos, wie viele Mitarbeiter hat Lucky Car aktuell?

Matić: Gut 300 sind es, leider sehr wenige Frauen, unter ein Prozent.

STANDARD: Woran liegt das?

Matić: Frauen haben viel Respekt vor diesem Beruf. Eines haben wir beobachtet: Sind Frauen in der Werkstatt, herrscht sofort ein anderer, angenehmerer Ton. Wir haben immer wieder Damen in den Annahmestellen. Männliche Kunden verhalten sich dann ebenfalls anders. Es wird weniger gefeilscht.

STANDARD: Wie viele Standorte?

Matić: Insgesamt 43 Werkstätten sind es in Österreich, zwei in der Schweiz. Unser Ziel ist es, auch in Deutschland Fuß zu fassen. In Österreich möchten wir noch 25 bis 30 Standorte eröffnen, durch Zukäufe vor allem im Westen und Süden des Landes. Im Osten sind wir schon vergleichsweise gut aufgestellt.

STANDARD: Der Markt lässt das zu?

Matić: Der Markt, den wir in Österreich bearbeiten, ist etwa 2,7 Milliarden Euro schwer. 2,2 Milliarden entfallen auf Kasko und Haftpflicht, 500 Millionen auf Selbstzahlerkunden. Wenn wir das Geschäft nicht machen, macht es jemand anders.

STANDARD: Worauf sollten Autofahrer und Autofahrerinnen achten, wenn sie in eine Werkstätte fahren?

Matić: Vergleichen und auf ihre innere Stimme hören. Ob man gut behandelt wird oder nicht, merkt man recht bald. Kommen Zweifel auf, sollte man woanders hinfahren. (Günther Strobl, 10.4.2023)