Am 9. März 2022 wurde die 32-jährige, damals schwangere Iryna Kalinina aus einer Geburtsklinik im ukrainischen Mariupol gebracht, nachdem diese durch einen Luftangriff der Russen beschädigt worden war. Das Baby, nach dem Wort für Frieden "Miron" genannt, wurde tot geboren. Eine halbe Stunde später starb auch die Mutter.

Das Foto von diesem Ereignis des ukrainischen Fotografen Evgeniy Maloletkas ist das World Press Photo of the Year 2023. Das Bild erfasse "die Absurdität und den Horror" des Krieges, heißt es in der Jurybegründung. Es liefere eine "treffende Darstellung der Ereignisse dieses Jahres und einen Beweis für die Kriegsverbrechen, die von den russischen Streitkräften gegenüber der ukrainischen Zivilbevölkerung begangen wurden". Indem sie diesem Bild eine Plattform gibt, hofft die Jury, dass "die Welt die unerträgliche Realität dieses Kriegs anerkennt und stoppt und an die Zukunft der Ukraine denkt".

Der Däne Mads Nissen gewinnt mit "The Price of Peace in Afghanistan" in der Kategorie World Press Photo Story of the Year. Mit der Fotoreihe "Battered Waters" über die unterschiedlichen Beziehungen von Menschen zu Wasser überzeugte Anush Babajanyan aus Armenien die Jury in der Kategorie World Press Photo Long-Term Project. Mit dem Fotoprojekt "Here, The Doors Don’t Know Me" über Fischer in Alexandria holt sich Mohamed Mahdy aus Ägypten den World Press Photo Open Format Award.

Für die 66. Ausgabe des World-Press-Photo-Bewerbs gab es heuer 60.448 Einreichungen von 3.752 Fotografinnen und Fotografen aus 127 Ländern. Die prämierten Fotos wurden aus den 24 regionalen Gewinnern destilliert. In Wien dürften sie im Herbst im Rahmen der Wanderausstellung in der Galerie Westlicht zu sehen sein.

Das 2023 World Press Photo of the Year von Evgeniy Maloletka (Ukraine): "Das ist ein Bild, das ich vergessen wollte, aber nicht konnte", sagt der Fotograf selbst über seine Aufnahme.

Foto: WPP / Evgeniy Maloletka / Associated Press

Der Däne Mads Nissen gewinnt mit "The Price of Peace in Afghanistan" in der Kategorie World Press Photo Story of the Year.

Foto: WPP / Mads Nissen / Politiken Panos Pictures

Nissens Bilder zeigen die Nachwirkungen der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan. Der Däne gewann bereits im Jahr 2021 den World Press Photo Award. Sein Siegerfoto zeigte in Corona-Zeiten die Umarmung einer 85-Jährigen und einer Krankenschwester in Brasilien.

Foto: WPP / Mads Nissen / Politiken Panos Pictures

Jedes von Nissens Fotos liefere "neue Informationen, die in einer umfassenden Auswahl von neun starken Bildern kulmunieren", so die Jury. "Ich glaube an die Macht der Bilder", sagte er 2021 im Gespräch mit dem STANDARD.

Foto: WPP / Mads Nissen / Politiken Panos Pictures

Anush Babajanyan aus Armenien gewinnt mit "Battered Waters" in der Kategorie World Press Photo Long-Term Project.

Foto: WPP / Anush Babajanyan / VII Photo / National Geographic Society

Die Fotografin verfalle nicht auf regionale Klischees, sondern bilde stattdessen umsichtig die Kämpfe ums Wasser ab, indem sie die unterschiedlichen Beziehungen der Menschen zum Wasser und ihren Umgang damit zeige, heißt es in der Laudatio der Jury.

Foto: WPP / Anush Babajanyan / VII Photo / National Geographic Society

Es gebe eine Verbindung der Bilder über die Länder hinweg, die alle durch dieselben Kämpfe geeint werden, heißt es weiter über "Battered Waters" von Anush Babajanyan.

Foto: WPP / Anush Babajanyan / VII Photo / National Geographic Society

Der World Press Photo Open Format Award geht an Mohamed Mahdy aus Ägypten für das "Here, The Doors Don’t Know Me". Das webbasierte Fotoprojekt zeichnet sich laut der Jury aus, weil es eine weite Palette verfügbarer Tools nütze, "um eine einzigartige Geschichte über eine Gemeinschaft eines Fischervolks in Alexandria" zu zeigen. (red, 20.4.2023)

Link

worldpressphoto.org

Foto: Mohamed Mahdy