Wir für die Nachbarschaft zur Karlskirche geschaffen: die "Ingeborg-bachmann-Kuppel".

Foto: Armin Guerino

Wien – Ist da ein Ufo gelandet? Nicht nur das Wien-Museum erscheint in neuem Gewand. Viel kleiner hat am Karlsplatz soeben ein temporärer Kunstbau Stellung bezogen: Sechs Meter hoch, drei Tonnen schwer und über und über mit Spiegeln besetzt ist der Pavillon, der der Kunst für die kommenden Wochen funkelnden Unterschlupf gewähren will. Optisch faszinierend und mit freiem Eintritt anlockend, will er dem Publikum niederschwelligen Zugang zu Kultur ermöglichen. 2021 hatte die Ingeborg-Bachmann-Kuppel in Klagenfurt Premiere.

Das Kuppeldesign stammt von Armin Guerino. Die 288 beidseitig verspiegelten Elemente der Kuppel sollen auf Buchdeckel anspielen, die zwölf Säulen der Stahlstruktur verweisen auf das Zifferblatt einer Uhr und damit auf Bachmanns Gedicht Die gestundete Zeit. Literatur ist trotz alldem und der Hommage im Namen nur ein Programmpunkt. Gleichwohl bildet das Werk der titelgebenden Dichterin eine Konstante: Täglich wird eine Tonspur mit Texten von Bachmann und Lukas Meschik zu hören sein, eingelesen u. a. von Johanna Orsini-Rosenberg und Andreas Patton.

Bennent und Misik

Dazu kommen aber auch Musik und Theater. Das Programm hat Gerhard Fresacher kuratiert. Im Verlauf von vier Wochen wird Anne Bennent aus dem Werk Christine Lavants lesen (Musik steuert Tonč Feinig bei, 4. 5.), mit Wanted wird (6. 5.) eine Kurzversion von Isma Forghanis Drama Der Siegelring (Inszenierung: Nicole Fendesack) zu sehen sein, Robert Misik liest (10. 5.) aus Das große Beginnergefühl, Lukas Meschik aus seinem Lyrikband Planeten (11. 5.), Helmo Pape und Catharina Ballan sprechen (12. 5.) über fairere Gesellschaften. Wien ist die zweite Station der Aktion. Im Zweijahrestakt soll das Projekt durch den Alpen-Adria-Raum touren. (wurm, 24.4.2023)