Stand in "Bodyguard" auf der Bühne: Melody Thornton, früher Mitglied der Gruppe Pussycat Dolls, entschuldigte sich auf Social Media für den Vorfall.

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In Manchester musste vor einigen Wochen eine Vorstellung des Musicals "Bodyguard" abgebrochen werden, nachdem mehrere Zuschauer zehn Minuten vor Schluss begonnen hatten, laut mitzusingen und die Darsteller zu übertönen. Unter anderem beim Hit "I Will Always Love You". Sie wollten zudem nicht mehr auf ihren Plätzen sitzen bleiben, laut "Guardian" sollen sogar kleine "Kämpfe" ausgebrochen sein. Teils wurden sie von der Polizei aus dem Saal des Palace Theatre entfernt.

Es ist nur einer von mehreren Fällen "antisozialen Publikumsverhaltens" in Großbritannien in letzter Zeit. Im Londoner Peacock Theatre wurde Tage zuvor eine Vorstellung des Musicals "Bat Out of Hell" für einige Minuten unterbrochen. Nachdem einige Zuschauer begonnen hatten, während der Show mitzusingen, war im Publikum ein Streit darüber ausgebrochen. Die Security musste eingreifen, ein Gast wurde unter "Raus, raus, raus"-Rufen zahlreicher Zuschauer aus dem Saal entfernt.

Seit Pandemie verschlimmert

Das passt zu einer neuen Befragung, die die Broadcasting, Entertainment, Communications and Theatre Union (Bectu) vorgestellt hat und der zufolge 90 Prozent der teilnehmenden 1.500 Theaterangestellten aus ganz Großbritannien bereits problematisches Publikumsverhalten miterlebt haben. Befragt wurden Platzanweiser und Kartenverkäufer ebenso wie technisches Personal, die Veranstaltungsorte umfassen Musicalbühnen ebenso wie die Oper, das Ballett oder Kabarettlokale. Ein Großteil von ihnen gab an, seit der Pandemie habe sich die Lage verschlimmert.

In der Untersuchung wird unter anderem auch über mitgebrachtes Essen der Besucher geklagt. In den allermeisten Fällen liege das unangemessene Besucherverhalten an Trunkenheit. Bei Eingreifen der Platzanweiser werden jene im Gegenzug beschimpft, bedroht oder gar attackiert. Auch sexuelle Belästigung und Rassismus oder Diskriminierung hinsichtlich Sexualität erwiesen sich als Problem. Seltener wurde als Problem Sachbeschädigung an den Theatern genannt. Eine angedachte Reaktion könnten Bodycams für Platzanweiser und Personal am Kartenschalter sein.

Wie ist die Lage in Österreich? Seites der Wiener Staatsoper heißt es, dass kein neues, auffälliges Publikumsverhalten feststellt werden konnte. Kurz nach der Wiedereröffnung nach Corona habe es zwar immer wieder Gäste gegeben, die sich Essen in die Logen mitgenommen hätten. Selbige seien vom Publikumsdienst diskret darauf hingewiesen worden, dass das nicht gehe. Irgendwelche Trends bezüglich auffälligen Post-Corona-Verhaltens konnten jedoch nicht festgestellt werden. (red, 24.4.2023)