Kay-Michael Dankl war Montagabend Gast in der "ZiB 2" bei Martin Thür.

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Als Überflieger, dunkelroter Politstar wird Kay-Michael Dankl beschrieben, seitdem er die KPÖ in Salzburg zum Erfolg geführt hat. Von Starallüren ist er aber weit entfernt. Ruhig und besonnen antwortet er in der "ZiB 2" auf Martin Thürs Fragen. Ohne Herumgerede und ohne Floskeln. Eine Wohltat im Gegensatz zu oft wortreichen, aber inhaltsleeren Interviews mit Politikerinnen und Politikern.

Er will weiter Oppositionsarbeit leisten, Juniorpartner der ÖVP will die KPÖ nicht sein. "Es wird wahrscheinlich ein Wettrennen nach unten geben, welche Partei sich am billigsten hergibt." Da sei er "Realist genug", sagt er und rechnet vor: "Für 70 Quadratmeter zahlt man in Salzburg im Schnitt 1.300 Euro." Alle anderen Parteien würden vor der Wahl versprechen, diese Kosten in den Griff zu bekommen, nach der Wahl fällt das Thema aber wieder unter den Tisch. Und: Seine Partei stehe nicht auf der Seite der Investoren, sondern auf jener der breiten Mehrheit, die sich die Wohnkosten nicht mehr leisten könne.

Vom großen Zuspruch sei die KPÖ selbst überrascht. Das sei eine riesige Verantwortung. Es werde nicht leicht, dafür zu sorgen, dass man etwas weiterbringt bei Sozialem, beim Thema leistbares Wohnen. "Die Leute merken sich, wer für sie auch nach der Wahl da ist", sagt er.

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Wie kommunistisch sind Sie eigentlich?, will Thür wissen. Die KPÖ stehe dafür, "dass wir glauben, dass eine bessere Welt möglich ist, wo man die Reichtümer besser verteilt, für Demokratie einsteht". Da spricht er wohl vielen Menschen aus der Seele. Und er nennt einen Unterschied zu anderen Parteien. "Wir sind kapitalismuskritisch, wo es um Grundbedürfnisse geht. Beim Wohnen, bei Licht, bei Wärme, bei öffentlichem Verkehr." Hier dürfe nicht der Profit einiger weniger im Vordergrund stehen, "es geht darum, eine gute öffentliche Versorgung sicherzustellen. Da gibt es viel, das sich ändern muss."

Ob man sich 2023 noch stolz einen Kommunisten nennen könne, fragt Thür weiter. Man könne aus der besten Idee etwas Schlechtes machen, lautet Dankls Antwort. "Aber man wirft ja heute auch der katholischen Kirche nicht mehr die Inquisition oder die Kreuzzüge vor."

Weniger neoliberal, mehr sozial

Von gegenwärtigen Diktaturen habe sich die Salzburger KPÖ "klar distanziert". Und er spricht sich gegen einen EU-Austritt aus. "Wohin ein Austritt führt, sieht man in England." Aber man müsse die EU "weniger neoliberal, mehr sozial gestalten". Er sehe eine "sehr starke Schlagseite, große Unternehmen, Banken zu fördern". Man reguliere alles Mögliche, aber soziale Mindeststandards gebe es nicht. Und man müsse versuchen, auch in autoritären Ländern wie Russland die kritische Zivilbevölkerung zu stärken, und genauer hinschauen, wo etwa russische Oligarchen in Salzburg ihr Geld verstecken.

In Österreich hätten Banken oder Vermögensberater ein gutes Geschäft mit Oligarchen gemacht. "Ich habe das Gefühl, da will man oft gar nicht so genau wissen vonseiten der Bundespolitik, welche Oligarchen welcher Herkunft auch immer in Österreich das Vermögen verstecken, das sie von ihrer eigenen Bevölkerung geraubt haben." Und: Wenn man Putin-Fans in Österreich sucht, würde man "bei der OMV oder vielleicht bei der Wirtschaftskammer mehr finden als in der KPÖ". Auch damit könnte Dankl recht haben. Ein intelligentes, sympathisches Gespräch. (Astrid Ebenführer, 25.4.2023)