Am 29. April 2018 kamen bei einer Skitour in den Schweizer Alpen zwischen Chamonix und Zermatt sieben Menschen ums Leben.

Foto: Servus TV / SRF

Am 29. April 2018 sterben sieben von zehn Menschen auf der Haute Route. Die legendäre Skitour zwischen Chamonix und Zermatt wird für eine Gruppe zur "Todesfalle in den Schweizer Alpen". Eine Dokumentation der Servus-TV-Reihe "Bergwelten" stellt am 1. Mai um 20.15 Uhr die Ereignisse von damals nach, Überlebende, Rettungskräften und Beteiligte erinnern sich an die Tragödie.

Der Film rekonstruiert die Ereignisse von damals. "Es war ein nettes Kennenlernen", sagt eine der Teilnehmerinnen und zeigt Fotos her. Über eine Reisegruppe hat sie die Tour gebucht. 1.500 Euro, Übernachtung in den Hütten und Guiding des Agenturleiters und Bergsteigers Mario Castiglioni inbegriffen. Allesamt sind sie erfahrene Tourengeher, körperlich fit. Man freut sich.

Klassiker "Haute Route"

Die Haute Route lockt Tourengeher aus der ganzen Welt. Sie verbindet Chamonix im Westen mit Zermatt im Osten und ist ein Spektakel, allerdings nur für Könner. Sie zu überwinden, davon träumen fortgeschrittene Tourengeherinnen und trainierte Berggänger. Wegen der schlechten Wettervorhersage ändert die Gruppe ihren Plan. Ursprünglich wollten sie von der Dix-Hütte zur Nacamuli-Hütte gehen. Bergführer Castiglioni wählte stattdessen die Vignettes-Hütte als nächstes Tagesetappenziel aus, weil dies die Gehzeit um zweieinhalb Stunden verkürzen würde. Zwischen diesen beiden Hütten liegt der am stärksten ausgesetzte Teil der Tour. Das Unwetter trifft mit voller Gewalt ein, bis zum Abend gibt es einen Schneesturm mit Windböen von rund 200 km/h. Die Truppe verliert die Orientierung, es ist ein Kampf um Leben und Tod.

"Haute Route" ist eine Koproduktion von SRF, SRG SSR, Servus TV und Arte. Das Reenactment wurde von Spiegel TV produziert. Der Film von Frank Senn ist als eine Art Dokudrama aufgebaut. In Interviews werden die Ereignisse von damals aufgerollt. Daneben gibt es Szenen mit Reenactement und digitalen Effekten. Die Recherchen dazu dauerten laut SRF zwei Jahre.

War es ein Unfall oder menschliches Versagen? Aus der Distanz könnte man es sich leicht machen und ein Urteil fällen. Das macht die Doku nicht. Am Ende steht die ernüchternde Erkenntnis, dass trotz elektronischer Hilfsmittel, moderner Ausrüstung, Helikopterrettung, der Nähe zur Zivilisation und der Erfahrung der Tourengeher der Weg auf den Berg immer ein riskanter ist und es auch sein wird. (prie, 1.5.2023)