Eine Wohngegend in Pawlohrad nach einem russischen Raketenangriff.

Foto: REUTERS/Sofiia Gatilova

Die Antwort folgte rasch und war heftig. Nachdem eine schwarze Rauchsäule über einem Treibstofflager im russisch besetzten Sewastopol Beweis des Drohnentreffers vom Samstag gewesen war, ließen die russischen Streitkräfte einen nächtlichen Raketenhagel auf die Ukraine nieder.

In der Nacht auf Montag wurde dabei unter anderem die Großstadt Pawlohrad getroffen, die sich etwa 110 Kilometer von der Front entfernt befindet. Mindestens 34 Menschen wurden verletzt, wie die ukrainischen Behörden melden. Unter den Opfern befinden sich auch fünf Kinder – in der gesamten Region wurden zudem Privathäuser, Schulen und Kindergärten zerstört.

Explosionen

In den sozialen Medien tauchten Videos von starken Explosionen auf. Es soll sich um das Chemiewerk der Stadt handeln. Getroffen wurde laut Behörden eine Lagerhalle mit 38 alten sowjetischen Raketen und 1.800 Tonnen Treibstoff. Sie waren aufgrund fehlender Finanzierung nicht ausgemustert und auf dem Gelände des Werks gelagert worden.

Auch das zum Teil russisch besetzte Cherson war das Ziel von 39 Raketenangriffen. Diese erfolgten von Abschussgeräten am Boden, Drohnen und Flugzeugen aus, wie die ukrainischen Behörden vermelden. Eine Person wurde getötet. In der Hauptstadt Kiew heulten in der Nacht ebenso für drei Stunden die Luftalarmsirenen. Doch konnten alle Raketen und Drohnen im Luftraum der Stadt abgefangen werden.

Auf russischer Seite klingt das Resümee nach den Angriffswellen erwartungsgemäß anders. Aus dem Verteidigungsministerium in Moskau heißt es, dass alle zuvor ausgegebenen Ziele getroffen werden konnten. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Dabei soll es sich vor allem um Waffenlager und Munitionsfabriken gehandelt haben.

Verstärkte Verteidigung

Die Ukraine bereitet sich nach eigenen Angaben auf eine Frühlingsoffensive vor. Die Pläne dafür werden gerade abgeschlossen, heißt es aus Kiew. Und Russland verstärkt seine Verteidigungsstellungen – in einem Ausmaß, wie es weltweit seit mehreren Jahrzehnten nicht mehr der Fall gewesen ist, berichtet das britische Verteidigungsministerium in seinem täglichen Briefing am Montag. Denn die Verteidigungsstellungen würden nicht nur an der Front verstärkt werden, sondern tief hinein in russisch kontrolliertes Gebiet ragen.

Sabotage in Russland

Vor allem die nördliche Grenze der besetzten Krim-Halbinsel wurde ausgebaut – mit einer mehrschichtigen Verteidigungszone nahe dem Dorf Medwedewka. Laut den britischen Fachleuten seien die Maßnahmen einerseits ein Zeichen, dass sich die russischen Befehlshaber vor ukrainischen Erfolgen während der Frühlingsoffensive fürchten würden. Andererseits werde so bei der lokalen Bevölkerung der Eindruck verstärkt, dass Russland durch die Ukraine und die Nato "gefährdet" sei und man sich vor den "Feinden" schützen müsse.

Auch innerhalb der international anerkannten Grenzen Russlands kam es am Montag zu Explosionen. In Brjansk, der Grenzregion zur Ukraine, entgleiste ein Güterzug, nachdem ein Sprengkörper detoniert war. Der Zug hatte laut Berichten Öl und Holz geladen. Der russische Gouverneur der Region bestätigte den Vorfall.

Saboteure sollen auch am Montag in den frühen Morgenstunden am Werk gewesen sein, um Stromleitungen in der nordwestlichen Region Leningrad in Russland zu zerstören. (Bianca Blei, 1.5.2023)