Mint ist ein Sammelbegriff für die Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.

Foto: OVE/Nina De Boes

Wien – Rund die Hälfte der Schülerinnen und Schüler kann sich eine Ausbildung im Bereich Mint (Mathe, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) kaum oder gar nicht vorstellen. Das zeigt eine Studie der Fachhochschule Oberösterreich, für die eine Befragung von 1.500 Schülerinnen und Schülern zwischen 14 und 18 Jahren sowie zusätzlich Gruppeninterviews mit 30 Befragten ausgewertet wurden. Die am häufigsten genannten Gründe sind Desinteresse und Respekt vor technischen Fächern.

Eine Ausbildung in diesem Bereich kann sich gerade einmal ein Viertel (bei den 14- und 15-Jährigen) beziehungsweise ein Drittel (bei den 16- und 17-Jährigen) der Befragten (sehr) gut vorstellen. Für jeden Vierten beziehungsweise Fünften ist das zumindest teilweise denkbar. In dieser Gruppe der Unentschlossenen liegt der Studie zufolge auch noch das größte Potenzial, damit mehr Schülerinnen und Schüler sich zu Fachkräften im Mint-Bereich ausbilden lassen.

Bewusstseinsbildung und frühe Förderung

Die größte Motivation für jene, die sich einen Mint-Job nicht oder nur teilweise vorstellen können, wäre die Aussicht auf einen sicheren, gut bezahlten Posten mit flexiblen Arbeitsmöglichkeiten. Auch ein inklusiveres Image – kritische Masse wären laut der Studie 20 Prozent Frauenanteil – und die Verbindung von Mint mit Themen wie Kreativität und gesellschaftlicher Relevanz würden Mint aus Schülersicht ansprechender machen.

Unter jenen Befragten, die sich eine Mint-Ausbildung gut vorstellen können, wird die Hälfte dazu motiviert – vor allem durch Ermutigung, den eigenen Interessen zu folgen, und durch Anerkennung ihrer fachlichen Leistungen. Für drei Viertel derer, die keine Mint-Ausbildung ins Auge fassen, würde aber auch Unterstützung durch Lehrkräfte nichts an ihrer Haltung ändern.

Um mehr Schülerinnen und Schüler in Mint-Ausbildungen zu bekommen, empfehlen die Studienautorinnen unter anderem Bewusstseinsbildung für die Bedeutung von Mint. Derzeit kann gerade einmal jeder sechste Befragte etwas mit dem Begriff anfangen. Da persönliches Interesse an Mint ein wesentlicher Entscheidungsfaktor ist, plädieren sie dafür, möglichst früh mit der Förderung in diesem Bereich anzufangen. Außerdem solle die Vielfalt von Mint-Berufen und deren Rolle bei der Gestaltung der (digitalen) Welt hervorgehoben werden. Um die Zielgruppe anzusprechen, könne man auch auf Influencer oder den Einsatz spieltypischer Elemente setzen. Wichtig wäre es außerdem, Lehrerinnen und Lehrer sensibler für die Auswirkungen von positivem Leistungsfeedback und Zuspruch beziehungsweise Demotivation zu machen.

"Confidence Gap" bei Mädchen

Besonders viel zu tun bleibt laut der Studie noch bei der Motivation von Schülerinnen. Fast die Hälfte der befragten Schülerinnen und Schüler gibt in der Studie an, schon (sehr) oft gehört zu haben, dass Frauen Mint einfach nicht verstehen würden. Auch das Bild, dass Technikerinnen unweiblich seien oder Frauen lieber etwas anderes machen sollten, ist laut einem Drittel weit verbreitet.

Um mehr Mädchen für Mint zu gewinnen, brauche es "mutmachende Feedbacksysteme zu den Stärken der Mädchen". Damit sollte etwa durch praxisnahe Workshops und Exkursionen möglichst früh begonnen werden, denn der "Confidence Gap" – also das geringere Selbstbewusstsein von Frauen – werde bei Mint mit dem Alter größer. Für Lehrer werden Gender- und Diversitätstrainings, Anti-Bias-Schulungen und Coachings vorgeschlagen. Auch authentische und greifbare Rolemodels wären demnach ein Hebel, genauso wie eine breite Aufklärungskampagne zu Geschlechterstereotypen. (APA, 9.5.2023)