Heidi Klum und ihre Tochter Leni. Beide tragen Slip und BH. Die Werbung für Intimissimi beschäftigt die Qualitätsmedien intensiv.

Foto: Intimissimi

Hand in Hand stehen sie da: Heidi Klum und ihre Tochter Leni. Beide tragen Slip und BH. Das ältere Model schaut selbstbewusst, das jüngere etwas zurückhaltender. Letzteres scheint gerade ein weißes Hemd abzustreifen oder zu verlieren.

So weit der Versuch einer halbwegs wertfreien Beschreibung der neuesten Plakatwerbung der italienischen Wäschefirma Intimissimi. Zu den Klums hat ja eh fast jeder selbst eine Meinung. Zur gestrengen Model-Mama sowieso, zum wahlweise "armen" oder "abgefeimt geschäftstüchtigen" Kind auch.

Beschäftigt Qualitätsmedien

Meist spielt sich Deutungskampf auf Social Media ab oder in Medien mit wenig Text und vielen Bildern. Interessant aber nun: Der neuerliche Einsatz der Klums für Intimissimi beschäftigt die Qualitätsmedien intensiv.

"Ein Bild, so alt wie das Patriarchat", konstatiert der "Spiegel". Denn, die Mutter "verkauft" das Kind, nach der alten Tradition: "Wer kein Kapital anhäufen oder erben durfte, musste von den Eltern an den Mann gebracht werden, unter die Haube, in Hände, die die Frau benutzen durften gegen Verpflegung und Logis." Was dem "Spiegel" noch auffällt: "Händchenhalten weckt verschiedene Assoziationen. Neben Mutter-Tochter-Rollen kommen auch Freundinnen oder Erotik-Gespielinnen infrage."

Eine Grenzüberschreitung sieht auch die ehrwürdige "Frankfurter Allgemeine Zeitung" ("FAZ"), "verstörend" findet sie das Foto. Begründung: "Leni Klum ist gerade 19 geworden. Mit der älteren Frau neben sich wirkt sie deutlich jünger: mehr Lolita denn erwachsen. Zudem macht allein die Anwesenheit der Mutter aus einer jungen Frau – ein Kind. Sorry, Heidi, ausgerechnet kurz vor dem Muttertag: Aber wer sein Kind nicht vor lüsternen Blicken schützt, sondern es nahezu nackt auf dem Präsentierteller serviert, macht sich selbst – zur Puffmutter."

"Die Zeit" findet das Foto "irritierend"

Fehlt nur noch die "Zeit". Und da ist sie auch schon. "Irritierend" wirkt für die deutsche Wochenzeitung, "dass das Foto an eine Art Initiation erinnert (Mutter unterweist Tochter), bei der die Mutter als sexuell attraktive Frau in Erscheinung tritt". Das nämlich wolle immer noch niemand. Es gelte bei aller Lockerheit nach wie vor: "Mütter sollen keinen Sex haben, nicht in der Nähe ihrer Kinder, und die sollen auch keinen Sex haben."

Viele interessante Sätze. Und dann soll es auch noch jene geben, die denken: Immerhin hat Leni nicht so eine hässliche beige Omawäsche-Kombi an wie beim letzten Mal. (Birgit Baumann, 12.5.2023)