Diese drei Herrschaften steigen am Wochenende in kein Formel-1-Auto.

Foto: IMAGO/Italy Photo Press

Imola – Hinter der Tamburello-Kurve, in der Formel-1-Idol Ayrton Senna 1994 vor den Augen der Welt verunglückte, ist der Fluss Santerno bedrohlich über die Ufer getreten. Im Autodromo Enzo e Dino Ferrari, wo die Aufbauarbeiten für den Großen Preis der Emilia-Romagna vollendet werden sollten, war keine Menschenseele. Nichts ging mehr nach den starken Regenfällen in der Region um Imola. Auch nicht für die Vollgasbranche Formel 1, die einer Absage des für Sonntag geplanten Rennens zustimmte.

"Die Entscheidung wurde getroffen, weil es nicht möglich ist, die Veranstaltung für unsere Fans, die Teams und unser Personal sicher durchzuführen", teilte die Motorsport-Königsklasse nach Gesprächen mit dem Automobil-Weltverband FIA und regionalen Behörden am Mittwochmittag mit.

160.000 Tickets waren verkauft für das erste Ferrari-Heimspiel des Jahres, viele Fans bleiben nun wohl auf Kosten sitzen. Doch ganz nüchtern betrachtet war diese Absage alternativlos. Man habe "die richtige und verantwortungsvolle Entscheidung" getroffen angesichts der "Situation der Ortschaften und Städte in der Region", so die Formel 1. Es wäre "nicht richtig gewesen, die lokalen Behörden und Rettungsdienste in dieser schwierigen Zeit weiter unter Druck zu setzen".

Schließlich gilt nicht nur in Imola, sondern in der Region Emilia-Romagna nach starken Regenfällen die höchste Alarmstufe. Menschen sind gestorben, weitere werden vermisst, Straßen sind überflutet.

"Es ist eine Tragödie"

"Es ist eine Tragödie, was in Imola und in der Emilia-Romagna, der Stadt und der Region, in der ich aufgewachsen bin, geschehen ist", erklärte Formel-1-Geschäftsführer Stefano Domenicali, der die Rettungskräfte für ihren "unermüdlichen Einsatz" als "Helden" würdigte.

Nach offiziellen Angaben führen in der Emilia-Romagna 14 Flüsse Hochwasser, erst in der Nacht auf Donnerstag soll der große Regen erst mal vorbei sein. Auf Anraten der Behörden sollte am Mittwoch niemand zur Rennstrecke kommen, nachdem tags zuvor die Boxengasse und der TV-Bereich als Vorsichtsmaßnahme geräumt worden waren.

"Ich liebe den Rennsport, aber die Sicherheit aller anderen ist wichtiger", twitterte McLaren-Pilot Lando Norris: "Es tut mir leid für alle Fans, aber wir kommen wieder."

Auch Faenza betroffen

Vom Hochwasser betroffen ist auch die Stadt Faenza, in der die Fabrik des Formel-1-Rennstalls AlphaTauri steht, die nach Angaben des Teams allerdings bislang nicht betroffen ist. Das Team rief sogleich zu Hilfe auf und richtete ein Spendenkonto ein.

Die Scuderia Ferrari äußerte "Mitgefühl" mit den "Menschen in der Emilia-Romagna und den Marche, die mit den Zerstörungen zu kämpfen haben, die durch die schweren Regenfälle und Überschwemmungen verursacht wurden".

Mit der Wortwahl, man werde "mit dem Wochenende nicht fortfahren", ließ das Formel-1-Management offen, ob der Grand Prix noch nachgeholt wird. Der Kalender ist allerdings bereits ziemlich ausgereizt. Direkt nach dem anderen Italien-Rennen in Monza (3. September) wäre noch ein Wochenende frei – das aber würde fünf (!) Grand Prix ohne Verschnaufpause bedeuten und ist damit kaum vorstellbar.

Mit 23 Rennen sollte 2023 ein neuer Rekord aufgestellt werden, womöglich findet die Saison nun wie in den beiden Vorjahren mit 22 WM-Läufen statt. Imola hat seinen Vertrag mit der Formel 1 im vergangenen Jahr bis 2025 verlängert. (sid, 17.5.2023)