Thomas Tuchel steht mit dem FC Bayern vor einer heiklen Aufgabe.

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München – Vor dem FC Bayern München bäumt sich im Kampf um den neuerlichen Gewinn des deutschen Fußball-Bundesliga-Meistertitels am Samstag (18.30 Uhr) noch einmal eine richtig hohe Hürde auf. Der Tabellendritte RB Leipzig kann zwar selbst Rang eins nicht mehr erreichen, in den Fernkampf zwischen den Münchnern und Borussia Dortmund aber womöglich entscheidend eingreifen. Für die Truppe von Coach Marco Rose geht es in der Allianz Arena darum, den Top-Vier-Platz zu fixieren.

Die Münchner liegen zwei Runden vor Schluss nur einen Punkt vor dem BVB, der erst am Sonntag möglicherweise ohne den angeschlagenen Jude Bellingham in Augsburg zu Gast ist. Leipzig (60) fehlen acht Zähler auf den Spitzenreiter, Rang drei ist somit das Höchste aller Gefühle. Von hinten droht allerdings im Kampf um die Champions-League-Startplätze noch Gefahr durch den Vierten Union Berlin (59/Samstag bei Hoffenheim) und Fünften SC Freiburg (56/Freitag gegen Wolfsburg).

Die Bayern und Leipzig, wo die beiden ÖFB-Teamspieler Konrad Laimer und Xaver Schlager zum Einsatz kommen dürften, haben gemein, dass sie in den jüngsten drei Ligaspielen das Punktemaximum einfuhren. Leipzig gab zudem zuletzt auch noch der Einzug ins DFB-Pokal-Finale Auftrieb. Für Spannung ist daher in jedem Fall gesorgt.

Unangenehmer Gegner für die Bayern

"Die Tabellensituation ist keine Routine. Das beste Rezept ist, dass wir uns auf unsere Aufgaben besinnen. Wir haben einen schweren Gegner vor der Brust. Wir wollen es schaffen, es in eine gute Leistung umzumünzen. Für uns zählt nur der Sieg", sagte Bayern-Trainer Thomas Tuchel. Der gelang gegen Leipzig in dieser Saison noch nicht, am 20. Jänner hatte es auswärts ein 1:1 gegeben. Das war eine der zwölf Saisonpartien ohne Sieg.

"Es ist wichtig, wenn wir das Spiel kontrollieren wollen, die Konter von Leipzig zu verhindern, bevor sie entstehen. Wenn wir frei und aggressiv in die Angriffszone gehen, müssen wir uns absichern. Wir wollen es schaffen, möglichst viele Spieler frei angreifen zu lassen. Wir müssen den Mix hinbekommen. Es ist anspruchsvoll", verlautete der 49-Jährige. Beim Gegner warnte Tuchel vor allem vor dem Ex-Salzburger Dominik Szoboszlai und Dani Olmo. "Wir müssen auf alle Offensivspieler aufpassen, das ist der Schlüssel."

In seinem Team ist Goalie Yann Sommer nach einem Magen-Darm-Infekt ins Training zurückgekehrt und für den Schlager fit. Im Gegensatz zu den nicht einsatzfähigen Manuel Neuer, Lucas Hernández, Eric Maxim Choupo-Moting und Alphonso Davies. Die Leipziger müssen nur Tormann Peter Gulacsi fix vorgeben, bangen allerdings um den Einsatz des verkühlten Timo Werner. "Es ist alles möglich, von Startelf bis gar nicht dabei", sagte Trainer Rose.

Auch auf dem Platz sollte grundsätzlich alles möglich sein. "Sie waren in den letzten Wochen nicht immer konstant, aber sie kommen langsam zurück. Es ist unsere Aufgabe, die Problemchen, die sie in den letzten Wochen so hatten, zum Vorschein zu bringen", erläuterte der ehemalige Salzburg-Coach. Sein Team konnte in München noch nie gewinnen, überhaupt gelang im direkten Duell bisher nur am 18. März 2018 (2:1) in Leipzig ein Erfolg.

Unangenehmer Gegner für Dortmund

Doch auch die Dortmunder müssen erst ihre Hausaufgaben erledigen und das ist alles andere als leicht. Auswärts gab es in den jüngsten sechs Pflichtspielen keinen Sieg. Ein womöglich titelentscheidender Negativtrend, von dem Coach Edin Terzic aber nichts wissen will. "Ich habe ein Problem damit, uns eine Auswärtsschwäche anzudichten. Wenn wir unser großes Ziel am Saisonende erreichen wollen, brauchen wir sechs Punkte", gab der 40-Jährige die Marschroute vor. Der Noch-Arbeitgeber des am Knie verletzten Julian Baumgartlinger braucht noch Punkte im Kampf um den Klassenerhalt, Augsburg ist als 13. noch nicht fix gerettet.

Bei einem neuerlichen Überraschungs-Heimsieg gegen einen Favoriten – zuvor jeweils 1:0 gegen Bayern und Union Berlin – wären die letzten Augsburger Abstiegssorgen weg. Und die Bayern womöglich schon Meister. Ein Szenario, mit dem auch Tuchel am spielfreien Sonntag gut leben könnte. "Ich hätte überhaupt kein Problem damit, auf der Couch den Meistertitel zu fixieren. Egal, wie es passiert, Hauptsache es passiert", betonte der Bayern-Trainer.

Im Kampf um den Ligaverbleib wäre bei einer Niederlage oder einem Unentschieden von Hertha BSC gegen den VfL Bochum am Samstag der Hauptstadtklub nicht mehr zu retten. Auch ein Sieg reicht den Berlinern nicht, wenn gleichzeitig Schalke 04 gegen Eintracht Frankfurt und am Sonntag der VfB Stuttgart in Mainz gewinnt. Stuttgart steigt in der vorletzten Runde sicher ab, wenn das Team in Mainz verliert und Schalke zuvor am Samstag gegen Frankfurt, Bochum in Berlin sowie Hoffenheim gegen Union Berlin gewonnen haben. (APA/dpa, 19.5.2023)