Eine Kardinalsprozession eröffnete am Sonntag in Rom die Trauerfeierlichkeiten für Papst Johannes Paul II. Schon am frühen Morgen strömten tausende Menschen zum Petersplatz, um an der von Kurienkardinal Angelo Sodano zelebrierten Messe teilzunehmen. Zu Beginn der Feier waren es rund 80.000; sie brachen mehrmals in lang anhaltenden Applaus aus, zum Beispiel, als Sodano sprach: "Herr, wir vertrauen Dir unseren Papst Johannes Paul II. an, der uns fast 27 Jahre lang geführt hat."

"Ruhig gestorben"

Sodano versuchte auch zu trösten: "Der Papst ist ruhig gestorben. Ich bin selber Zeuge seiner Ruhe gewesen, da ich betend vor dem Bett des sterbenden Papstes gestanden bin. Die Ruhe ist ein Ergebnis des Glaubens."

"Er hat ,Amen' gesagt, einen Augenblick später ist er gestorben", hatte schon zuvor Pater Jarek Cielecki berichtet. Der Direktor von "Vatican service news" schilderte die letzten Momente vor dem Tod um 21.37 Uhr: "Der Heilige Vater starb, im Gebet versunken, den Blick auf das Fenster gerichtet. Das muss bedeuten, dass er in irgendeiner Weise bei Bewusstsein war."

Kurz vor seinem Tod habe der Papst die rechte Hand gehoben, offenbar in der Absicht, eine wenn auch nur angedeutete Geste der Segnung zu machen - "als habe er mitbekommen, welche Massen von Gläubigen gerade den Rosenkranz auf dem Petersplatz beteten".

Anwesend im Moment des Todes von Johannes Paul II. waren neben drei Ärzten seine beiden Sekretäre, Erzbischof Stanislaw Dziwisz und Monsignore Mieczyslaw Mokrzycki, Kardinal Marian Jaworski, Erzbischof Stanislaw Rylko, Pfarrer Tadeusz Styczen, drei Nonnen, die den Papst gepflegt hatten, und ihre Vorgesetzte.

Sonntagfrüh wurde der Leichnam des Papstes in einer Halle im Vatikan aufgebahrt. Der Fernsehsender des Vatikans zeigte, wie Kardinäle und hohe Kirchenführer dem Toten die letzte Ehre erwiesen. Auch der italienische Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi, Ministerpräsident Silvio Berlusconi und weitere Mitglieder des Kabinetts beteten vor dem Leichnam.

Massenansturm

Drei goldene Kissen lagen unter dem Kopf des Papstes, der sehr abgemagert schien, aber einen ruhigen Ausdruck im Gesicht hatte. Laut Vatikan-Sprecher Joaquín Navarro Valls wird der Leichnam am Montag um 17 Uhr in die Petersbasilika überführt, damit die Öffentlichkeit Abschied vom Papst nehmen kann.

Inzwischen bereitet sich die Stadtverwaltung von Rom auf einen Massenansturm von Gläubigen vor. Roms Bürgermeister Walter Veltroni wertet die für Donnerstag geplante Beisetzung des Papstes als "Jahrhundertereignis." Die italienische Regierung hat den Chef der Zivilschutzbehörde, Guido Bertolaso mit der Organisation des Massenansturms beauftragt.

Zeltlager für Tausende

"Zwischen zwei und vier Millionen Menschen" erwartet Bertolaso. Am Sonntag wurde auf dem Campus einer Universität mit der Errichtung eines Zeltlagers für Tausende Menschen begonnen. In den Messehallen stehen schon 3500 Betten bereit. Die beiden Fußballstadien Roms sollen ebenso für Schlafsacktouristen geöffnet werden wie Sporthallen und Kongresszentren.

Am Sonntag begannen auch Arbeitskolonnen mit der Aufstellung von mehreren Tausend chemischen Toiletten rund um den Vatikan. Die gesamte Umgebung des Petersplatzes soll in eine Fußgängerzone umgewandelt werden.

Besonderes Kopfzerbrechen bereiten den italienischen Behörden die Sicherheitsprobleme. Im Vatikan rechnet man mit "mindestens 150 Staats-und Regierungschefs". Mehr als 10.000 Polizisten sollen über die Sicherheit der Gäste wachen.

Bertolaso befürchtet, dass sich am Tag der Beisetzung doppelt so viele Menschen in Rom aufhalten werden als an normalen Tagen. Ein Verkehrskollaps, wie ihn Rom häufig schon an normalen Tagen erlebt, scheint sicher. Dazu Bürgermeister Veltroni: "Wir werden unser Bestes geben. Aber für Wunder sind wir nicht zuständig." (DER STANDARD, Gerhard Mumelter Klaus-Peter Schmidt, Printausgabe, 4.4.2005)