Zu den Nutznießern der WestLB-Flüge gehörte auch der damalige nordrhein-westfälische Ministerpräsident Rau. Dessen Anwalt Gernot Lehr warf in einem in Bonn veröffentlichten Brief an "Focus"-Chefredakteur Helmut Markwort dem Magazin vor, seine Berichterstattung sei "wiederholt von verzerrten oder unzutreffenden Darstellungen geprägt" gewesen. So bezweifelte "Focus" jüngst, dass Rau im Juni 1994 dienstlich zu einem Fest der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Brandenburg geflogen sei. Dieses Fest habe es gar nicht gegeben. In Wirklichkeit sei Rau zum SPD-Landesparteitag geflogen, was als privat zu gelten hätte. Die Rau-Anwälte wiesen diese Darstellung als falsch zurück. Eine von dem Magazin zitierte AWO-Ortsvorsitzende bestreite, dass sie gesagt hätte, es habe kein Fest ihres Verbandes an diesem Tag gegeben. Auch sei ein Zitat aus dem Terminkalender Raus "ebenfalls falsch und offensichtlich frei erfunden". Richtig heiße es im Terminkalender des früheren Ministerpräsidenten: "13.00 Uhr Kundgebung auf dem Gelände des AWO-Zentrums Priegnitz (Rede MP), Bahnhofstraße 24, Glöwen". Anwalt Lehr fügte hinzu: "Uns würde interessieren, aus welchem Terminkalender 'Focus' zitiert, jedenfalls ist es nicht der Terminkalender des damaligen Ministerpräsidenten." Der stellvertretende Ressortleiter "Deutschland aktuell" des Nachrichtenmagazins, Markus Krischer, entgegnete in München, offensichtlich habe Lehr eine andere Version des Terminkalenders. In der dem "Focus" vorliegenden Fassung heiße es unter dem 25. Juni 1994: "13.00 Uhr Gespräch mit Herrn Ministerpräsidenten Dr. Manfred Stolpe, AWO-Zentrum, Bahnhofstraße 24, Priegnitz". Das Nachrichtenmagazin bleibe auch in den anderen von den Anwälten kritisierten Punkten bei seiner Darstellung, sagte Krischer. (APA/AP)