In der Tat wird der Abschied von der scheinbaren Gleichheit aller Universitäten in Deutschland wohl eine der wesentlichen Konsequenzen aus dem Elitewettbewerb sein. Aber ohne das auch politisch breit abgesicherte Bekenntnis zu Differenzierungen hat das deutsche Hochschulsystem keine Chance, im internationalen Bildungswettbewerb Boden gut zu machen. Andererseits bedeutet Differenzierung keineswegs, dass Universitäten, die nicht zu den elitären gehören, minderwertig wären. Sie können ihre Stärken anderweit ausbilden und herausstellen.

Um das an einem Beispiel zu verdeutlichen: Deutschland braucht gute Richter und Rechtsanwälte auch für das Massengeschäft der familienrechtlichen Prozesse, der Mietstreitigkeiten und des Verbraucherschutzes - alles ohne internationalen Bezug. Für die Rechtspflege in diesem Bereich ist vollständig ungeeignet, wer die Feinheiten der international corporate finance beherrscht und seinem Verhandlungspartner in New York in geschliffenem Englisch Paroli bieten kann. Generalisierend: unverändert braucht es in Deutschland eine akademische Breitenausbildung auf hohem Niveau. Andererseits wird Differenzierung unter den Universitäten erforderlich werden, um die staatlichen Ressourcen noch effektvoller zu fokussieren.

Kommen wir zur Lehre: Sie genießt kein Ansehen, verschafft dem Wissenschaftler im Gegensatz zur Forschung kaum Renommee im Kreis seiner Fachgenossen. An alledem haben auch die hier und dort ausgelobten Lehrpreise nichts Entscheidendes ändern können.

Indes - hier gilt es, mit geschärftem Blick zu schauen - gerade um der Eliteuniversitäten willen. Denn wo finden nach Einschätzung der Öffentlichkeit Elitestudien statt? In Deutschland an der European Business School in Reinhartshausen oder in Koblenz/Vallendar oder an der Bucerius Law School in Hamburg und im Ausland etwa in Fontainebleau oder an den Grandes Écoles in Frankreich - sämtlich Einrichtungen, die nicht mit ihren Forschungen Ruhm erworben haben.

Daraus folgt: Eliteuniversitäten können sich auch über die Lehre qualifizieren; es sind ihre Lehrbedingungen, die den Elitestatus begründen, nicht die Forschung.

Im Zentrum solch' elitärer Lehrbedingungen stehen geringe Studierendenzahlen im Verhältnis zum einzelnen Dozenten. Wenn der Hochschullehrer nur einer Gruppe von 20 bis 30 Studierenden gegenübertritt, dann ergeben sich selbstverständlich vollständig andere Lehr- und Lernbedingungen als in einer Vorlesung oder Übung mit 300 bis 400 Teilnehmern - einer anonymen Masse, aus der sogar didaktische Genies nur einige Wenige zum aktiven Mitmachen, zum Gespräch stimulieren können.

In kleinen Universitäts-Kursen dagegen mündet das zunächst vom Dozenten initiierte und auf ihn bezogene Gespräch sehr bald in einen Diskurs unter allen Studierenden. Bis zu 30 Namen lassen sich leicht memorieren, erlauben persönliche Ansprache, Ansprache der Lücken und Schwächen und vermitteln dem Dozenten sehr schnell das Gefühl seiner Mitverantwortung für den Erfolg oder Misserfolg seiner Studenten.

Unter solchen Lehr- und Lernbedingungen wäre es für die Dozenten eine berufliche Katastrophe, für die Hochschulleitung überdies Anlass zum harten Durchgreifen, wenn in den Abschlussexamina zwischen 25 und 35 Prozent der Teilnehmer Jahr für Jahr durchfielen.

In den juristischen Staatsexamina ist dies seit Jahrzehnten die allseits klaglos akzeptierte Normalität. Wenn das schon das Selbstverständnis der Hochschullehrer nicht sonderlich tangiert, dann sollten sich wenigstens die Steuerzahler aufregen, mit welcher Chuzpe Jurafakultäten und staatliche Prüfungsämter in trauter Eintracht Steuergeld vergeuden.

Und welchen Nutzen hätten die Angehörigen vom Erfolg ihrer Universität im Elitewettbewerb? Alle in reichem Maße: die Studierenden hätten in kleineren Kursen ein rundum besseres Lernklima, hätten bessere Möglichkeiten des internationalen Austauschs und insgesamt bessere Chancen, insbesondere bessere Startbedingungen im Beruf.

Schließlich die Professoren: welche Vorteile mögen sie ziehen? Sie könnten sich auf ihre Kernaufgaben in Forschung, Lehre und Begleitung des wissenschaftlichen Nachwuchses konzentrieren, wären für ihre Studierenden attraktiver, könnten leichter internationale Doktoranden gewinnen und hätten noch bessere Chancen, ihre Schüler zu platzieren.

In der Forschung hätten sie als Angehörige einer siegreichen Eliteuniversität spürbar verbesserten Zugang zu internationalen Ansprechpartnern, aber auch zu Subsidien aus öffentlicher oder privater Hand. Kurzum: mit einem Sieg im Elitewettbewerb würden wir allesamt gewinnen.