Dr. Horeischy (links) und Dr. Hans Vollmar.

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Zeitzeuge Hans Friedmann spricht bei einer Gedenkfeier am Chemischen Institut in der Währinger Straße, organisiert von der ÖH Uni Wien und dem DÖW. Friedmann war mit einem der beiden Ermordeten, Kurt Horeischy, befreundet.

Foto: Österr. Zentralbibliothek für Physik

Wien – Auch die Universitäten waren vor 60 Jahren in den letzten Kriegstagen Schauplatz der Auseinandersetzung zwischen Widerstandskämpfern und dem auseinander brechenden nationalsozialistischen Regime. Am 5. April 1945 wurden am Institut für Chemie der Universität Wien die zwei Widerstandskämpfer Kurt Horeischy und Hans Vollmar erschossen, die die Zerstörung eines Elektronenmikroskops durch einen nationalsozialistischen Professor verhindern wollten. Der Schriftsteller Johannes Mario Simmel, der sich zu dieser Zeit im Keller des Institutsgebäudes in der Boltzmanngasse in Wien-Alsergrund versteckt hielt, setzte den Ereignissen später in seinem Roman "Wir heißen euch hoffen" ein literarisches Denkmal.

Die Nationalsozialisten hatten gegen Kriegsende angeordnet, alles, was den anrückenden Russen von Nutzen sein könnte, zu vernichten. Eingeweihte Personen – am Chemischen Institut Professor Jörn Lange – sollten nach dem Radio-Aufruf "Wien, rechts der Donau" wissenschaftliche Geräte zerstören. Bei dem Versuch, Lange aufzuhalten, erschoss dieser die zwei Assistenten Kurt Horeischy und Hans Vollmar, die der Widerstandsgruppe "Tomsk" angehört hatten. Lange wurde nach Kriegsende zum Tod verurteilt, beging aber noch vor der Urteilsvollstreckung Selbstmord durch die Einnahme von Gift.

Sowohl Hilfs- als auch Mordbereitschaft seien bei Lange zu finden gewesen, erinnerte sich Simmel später. Der Professor habe gewusst, dass sich im Keller des Instituts Leute verstecken, aber nichts dagegen unternommen. "Er hätte den ganzen Keller in die Höhe gehen lassen können", erzählte Simmel bei einer Gedenkveranstaltung vor zehn Jahren. Kompromisslos habe sich Lange aber in der Exekutierung des Befehls der "Verbrannten Erde" gezeigt.

Zuletzt hatte auch Bundespräsident Heinz Fischer im Rahmen einer sub-auspiciis-Promotion am Dies Academicus der Uni Wien den Mord an den beiden Widerstandskämpfern thematisiert. (APA)