"Wenn die Gäste nicht kommen, dann hänge ich mich auf", sagt ein blasser Mann im Reitkostüm scherzend zu den anderen dreizehn Gastgebern, die auf ihrem Fest alleine gelassen wurden.

Das Stück "Die Überraschung" der belgischen Theatergruppe Kopergietery feierte am Samstag im Dschungel Wien Österreichpremiere und war gleichzeitig Auftakt zum Jugendschwerpunkt des Museumsquartiers. Es handelt von 14 höchst unterschiedlichen Charakteren, die sich zusammen auf die Ankunft ihrer Gäste vorbereiten. Die Szenerie wechselt sprunghaft mit jeder neuen Idee und so auch die Musik und der Bewegungsablauf auf der Bühne.

Das Stück lebt vom Unterschied der kindlichen und der erwachsenen Realität. Die Protagonisten - zwischen neun und 14 Jahre alt - sind, sobald sie die Bühne betreten, keine Kinder mehr. Alkoholexzess, Gewalt und Ausschluss Andersdenkender werden dargestellt, und man wird quasi gezwungen, diese Phänomene der Erwachsenenwelt durch unschuldige Augen zu sehen - ihre Idiotie wird klar.

"Eigentlich ist es eine schwarze Komödie", sagt Regisseurin Eva Bal im Gespräch mit dem SCHÜLERSTANDARD. "Besonders glücklich bin ich mit den Kostümen - jedes beschreibt einen anderen Charakter." Diese sind auffallend kreativ und wurden nach Skizzen der jungen Schauspieler selbst angefertigt.

Intention der Theatergruppe Kopergietery ist es, dass junge Menschen Projekte mit professionellen Choreografen, Musikern und Schauspielern gemeinsam erarbeiten.

Neben "Die Überraschung" war ein weiteres Kopergietery-Stück zu sehen, das Tanztheater Beuysband. Sprühend voll Energie wird hier mit Tanz, Licht, Gesang und Sprache die Gründungs- und Zerrüttungsgeschichte einer Pop-Band in Szene gesetzt. Inspiration lieferte das Zitat "Jeder Mensch ist ein Künstler" in den 80er-Jahren von Joseph Beuys.

Der große Jugendschwerpunkt des Dschungel Wien läuft noch bis Mitte Juni unter dem Schlagwort "Starkes Theater". Neben zahlreichen Neuaufführungen und Workshops kann hier jeder Jugendliche auch seine eigene Kunst präsentieren. Die offene Bühne "Führ dich auf" bietet Platz für Kabarett, Literatur oder Theater von Menschen jeden Alters. So las etwa Daniela Herger inspiriert von Rilke ihre Gedichte vor, und ein junger Mann sprach 15 Minuten über Scharfgarbe. Grenzenlos sind Kreativität und Unterhaltungswert in dieser familiären Atmosphäre. (Julia Grillmayr/DER STANDARD-Printausgabe, 5.4.2005)