Amman/Wien - Bei der dritten Auflage war plötzlich Schluss mit der Anerkennung: Monate lang hat ein Streit der USA und Ägyptens mit der UNO die Veröffentlichung des dritten Berichts des UN-Entwicklungsprogramms UNDP über die arabische Welt verzögert. Als die Wissenschaftlergruppe schon nach einem eigenen Verlag für die weltweit angesehene Berichtsreihe suchte, lenkte zumindest Washington ein.

Zu Wochenbeginn wurde der UNDP-Bericht 2005 nun in der jordanischen Hauptstadt Amman vorgestellt - mit einer Klausel, die klarstellt, dass "einige Ansichten" der Autoren nicht von der UNO geteilt werden. Der Grund: Teil drei der Berichtsreihe macht den US-geführten Krieg gegen den Irak und Israels Konflikt mit den Palästinensern mitverantwortlich für den Mangel an politischer Freiheit in der arabischen Welt. Das Jahr 2004 habe der Region keinen deutlichen Fortschritt auf dem Weg zur Demokratie gebracht, lautet ein Befund des Berichts, der weder die Wahlen im Irak im Jänner 2005 noch die jüngsten Demonstrationen in Beirut berücksichtigte.

Folge des Irakkriegs

"Als eine Folge der Invasion ihres Landes entkam das irakische Volk dem Griff eines despotischen Regimes, das ihre Grundrechte und ihre Freiheit verletzt hatte, nur um unter eine ausländische Besatzung zu fallen, die das menschliche Leiden noch vergrößerte", lautet einer der Sätze, der die US-Regierung verärgert hatte. Etwa 100.000 Iraker seien durch die Invasion und die von ihr ausgelöste Gewalt ums Leben gekommen.

Tatsächlich fasste die Gruppe von Wissenschaftlern und arabischen Reformern unter Leitung der früheren jordanischen Ministerin und Direktorin des UNDP-Büros für die arabische Welt, Rima Khalaf Hunaidi, den Begriff der "Freiheit" weit: nicht nur als politische Freiheit, sondern auch als Befreiung von Hunger, Armut oder Unwissenheit.

Die Bestandsaufnahme für die 22 Staaten der Arabischen Liga mit ihren rund 280 Millionen Bürgern fällt schonungslos aus. Moderne arabische Staaten mit ihrer allmächtigen Exekutive ähnelten einem "schwarzen Loch", in dem sich nichts bewege und aus dem nichts entkomme. Das Fazit: "Die arabische Entwicklungskrise ist weiter, tiefer und noch komplexer geworden", "Teilreformen sind nicht länger wirksam oder auch nur möglich"; kommt es nicht zu umfassenden gesellschaftlichen Reformen, drohen "chaotische Umstürze". (mab, DER STANDARD, Print, 7.4.2005))