London/Wien - Wenn Wissenschafter nach Leben im Weltall Ausschau halten, sollten sie gar nicht so sehr nach Sonnensystemen ähnlich dem unseren Ausschau halten. Wie William Danchi vom Goddard Space Flight Center der NASA in Greenbelt im US-Bundesstaat Maryland laut der Wissenschaftszeitschrift "New Scientist" ausführt, ist der bewohnbare Bereich - also die Zone, in der Leben möglich ist - um sterbende Sterne wesentlich größer als etwa in unserem System.

Die Zone möglichen Lebens im Sonnensystem beginnt knapp innerhalb der Erdbahn und endet etwa mit der Umlaufbahn des Mars. Ausschlaggebend ist dafür vor allem, ob Wasser in flüssiger Form existieren kann. Für kosmische Verhältnisse ist dieses bewohnbare Band denkbar knapp bemessen. Doch das wird sich auch um unseren Stern in einigen Milliarden Jahren ändern.

Bewohnbare Zone vergrößert sich

Im Zuge des Fusionsbrennens in Sternen von etwa Sonnengröße leuchtet ein solcher Himmelskörper etwa zehn Milliarden Jahre in der Art und Weise, wie wir es kennen: Der Wasserstoff im Kern wandelt sich zu Helium um. In der nächsten Phase zündet der Wasserstoff gleichsam in einer Schale rund um den wachsenden Helium-Kern. Der Stern wird dabei heller und größer. Die bewohnbare Zone dehnt sich auf einen Gürtel zwischen zwei bis neun Astronomischen Einheiten (AE) rund um die Sonne aus. Eine AE ist definiert mit der mittleren Entfernung Erde-Sonne.

Im Zuge dieser Erwärmung könnten ehemals gefrorene Planeten zum Leben erwachen. Die Phase dauert vor allem in den sonnennäheren Bereichen einige Milliarden Jahre, zur Entwicklung von Leben wäre daher Zeit, so die Wissenschafter. Sie gehen davon aus, dass es rund 700 Millionen Jahre dauerte, bis die Erde Leben hervor brachte.

Roter Riese

Anschließend beginnt der alternde Stern für etwa 20 Millionen Jahre zu flackern, das ausschließliche Helium-Brennen beginnt. Schließlich wird er zum Roten Riesen mit dem zehnfachen Durchmesser unserer Sonne. Diese Verwandlung ist abermals mit einer Ausdehnung der Lebenszone verbunden, sie reicht von sieben bis 22 AE und würde damit selbst die Eiswelt des Uranus erreichen und - teilweise - auftauen. Dann fehlen nur noch einige Meteoriten mit organischem Material und schon geht's los.

Die Astronomen schätzen, dass sich etwa 150 alternde Sterne mit deutlich ausgedehntem Lebensbereich in einem Umkreis von 100 Lichtjahren um die Erde finden. (APA)