Den Haag - Die Abwesenheit des niederländischen Königshauses beim Begräbnis von Papst Johannes Paul II. ist im Inland auf Unverständnis und Kritik gestoßen. Die auflagenstärkste Zeitung "De Telegraaf" kommentierte am Freitag, es sei "nicht angemessen", dass weder Königin Beatrix noch ein Vertreter ihrer Familie nach Rom gereist sei und dass es darüber hinaus dafür keine Begründung gebe.

Die Niederlande werden durch Ministerpräsident Jan Peter Balkenende vertreten. Er vertrete auch Königin Beatrix, betonte ein Regierungssprecher. Die zweitgrößte Zeitung "de Volkskrant" schrieb, Vertreter von Kirche und Politik seien empört über die Abwesenheit der Königin. Die Zeitung zitierte einen Priester mit den Worten: "Wir finden das merkwürdig."

"Beleidigung"

Der niederländische Kardinal Adrianus Simonis sagte in Rom, das protestantische Königshaus treffe seine eigenen Abwägungen, er könne sich da nicht einmischen. Hochrangige Politiker hielten sich mit einer Bewertung zurück. Allerdings sprach der frühere Ministerpräsident Dries van Agt von einer "Beleidigung". Die protestantischen Monarchen von Schweden und Dänemark und die norwegische Königin Sonja sind nach Rom gereist.

In den protestantisch geprägten Niederlanden hatten auch Teile des katholischen Klerus lange Zeit ein belastetes Verhältnis zu Johannes Paul II. Er hatte in den 80-er Jahren deren Reformbemühungen abgelehnt. Sein Besuch 1985 fand in einer unterkühlten Atmosphäre statt, es gab Gegendemonstrationen von progressiven Katholiken. In den letzten Jahren hatten sich die Beziehungen aber entspannt. Alle heutigen niederländischen Bischöfe sind unter Johannes Paul II. ins Amt gekommen. (APA/dpa)