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Gerhard Haderer

Foto: AP/Hans Punz
Linz/Athen - "Ich werde mir heute Abend mit Sicherheit ein, zwei Ouzo in den Rollkragen kippen und mich dann an einem Griechischen Salat laben" - Zeichner und Karikaturist Gerhard Haderer zeigt sich nach seinem Freispruch im STANDARD-Gespräch sichtlich erleichtert. Der Linzer Karikaturist wurde in einem Berufungsverfahren am Mittwoch in Athen vom Vorwurf der Religionsbeleidigung freigesprochen.

Die Grundlage für diese viel beachtete Justizgroteske bildete der "Hades"-Bildband "Das Leben des Jesus". Das "harmlose Comic-Büchlein" (Haderer) sorgte bereits im Erscheinungsjahr 2002 für internationales Aufsehen. Vor allem in Österreich, Deutschland und Tschechien gab es heftige Proteste tiefgläubiger Katholiken, die sich durch die humoristische Darstellung der Lebensgeschichte Jesu auf den konservativen Schlips getreten fühlten. Anzeigen gegen Haderer wurden aber in allen Fällen von der jeweiligen Staatsanwaltschaft niedergelegt.

Sturm der Polizei

Entschieden anders sah man das aber in Griechenland. Nachdem dort die Polizei die Buchläden gestürmt hatte und das "Leben des Jesus" beschlagnahmt wurde, verurteilte eine Drei-Richter-Strafkammer den Karikaturisten am 19. Jänner wegen "Religionsbeschimpfung" zu sechs Monaten Haft oder 1600 Euro Geldstrafe.

Haderer ging daraufhin in die Berufung und bekam am Mittwoch nach einer mehrstündigen Verhandlung recht. "Das Gericht hat sehr vernünftig entschieden und mir ist ein Stein vom Herzen gefallen", so der Zeichner, der die bangen Stunden bis zum endgültigen Freispruch mit der Lösung des STANDARD-Rätsels verbrachte: "Zur Beruhigung, denn ich bin auf tausend Nadeln gesessen", versichert der Karikaturist.

Bei aller Freude müsse man sich dessen bewusst sein, dass "solch groteske Urteile eine massive Schere im Hirn für alle Künstler bedeuten", so Haderer. Schwer enttäuscht ist der Zeichner von der österreichischen Bundesregierung: "Während mir europaweit der Rücken gestärkt wurde, kam von der Regierung nur dröhnendes Schweigen. Von Schlüssel will ich zumindest eine öffentliche Erklärung, warum er meine Arbeiten als 'Schundzeichnungen' verunglimpft hat".

Ein eigenes Urteil über die "Hades"-Werke können sich jetzt auf jeden Fall die Griechen bilden, denn das "Leben des Jesus" darf ab sofort wieder die griechischen Buchläden zieren. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.4.2005)