Beirut - Nach dem Scheitern der Regierungsbildung im Libanon haben die USA die Führung in Beirut davor gewarnt, die Parlamentswahlen zu verschieben, die im Mai stattfinden sollen. "Der Libanon muss sich über seine Zukunft aussprechen können, ohne Einschüchterung und ausländische Einmischung", erklärte US-Außenministerin Condoleezza Rice in einem in der Nacht auf Donnerstag in Washington veröffentlichten Kommuniqué. Der Verzicht des gescheiterten Ministerpräsidenten Omar Karame sei Anlass, "weiter voranzuschreiten" und die allgemeinen Wahlen ohne Verzögerung abzuhalten, betonte Rice.

Die Bemühungen Karames scheiterten am Mittwoch an einem Konflikt um die Größe der Wahlkreise. Die führenden christlichen Politiker wollen statt der bisherigen größeren Wahlkreise ("Mohafazat") kleinere ("Caza"). Bei den letzten Wahlen vor vier Jahren waren in sämtlichen Wahlkreisen die moslemischen Stimmen ausschlaggebend, was indirekt zur Folge hatte, dass die christlichen Abgeordnetenmandate überwiegend an pro-syrische Kandidaten fielen.

Konsultationen

Staatspräsident Emile Lahoud will am Freitag Konsultationen aufnehmen, um eine andere Persönlichkeit mit der Regierungsbildung zu betrauen. Die oppositionelle Beiruter Presse beschuldigte unterdessen das pro-syrische Lager, die Regierungsbildung absichtlich zu erschweren, um die Verschiebung der Wahlen zu erreichen. Nach den Verfassungsbestimmungen müssen die Wahlen spätestens am 30. April ausgeschrieben werden, einen Monat vor dem regulären Ende der Legislaturperiode. Syrien will seinen Truppenabzug aus dem Libanon bis 30. April beenden.

Die libanesische Schiiten-Organisation Hisbollah appellierte unterdessen an Frankreich als "Freund aller Parteien" im Libanon, sich vom Kurs der USA zu distanzieren. Die Hisbollah werde niemals "unter Druck und Drohungen" die Waffen niederlegen, erklärte Generalsekretär Scheich Hassan Nasrallah in einem in der Presse veröffentlichten Offenen Brief. Die Resolution 1559 des UNO-Sicherheitsrates, die neben dem syrischen Truppenabzug die Entwaffnung der Milizen verlangt, war von den USA gemeinsam mit Frankreich eingebracht worden. (APA/AFP)