Berlin - Die Bundesregierung befürchtet nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" völlig neuartige Bedrohungen für Staat und Wirtschaft aus dem Internet. Eine geheim tagende Regierungsarbeitsgruppe sei nach fast zweijähriger Beratung zu der Erkenntnis gekommen, an die Stelle einer kriegerischen Auseinandersetzung im herkömmlichen Sinne könnten künftig Angriffe aus dem Internet stehen, berichtete das Blatt am Samstag vorab aus seiner neuen Ausgabe. Begriffe wie Krise, Spannungs- oder Verteidigungsfall bekämen vielleicht eine ganz neue Bedeutung, zitiert das Magazin aus dem Entwurf des Abschlussberichtes der Arbeitsgruppe. Ein Sprecher der Bundesregierung wollte sich auf Anfrage nicht dazu äußern. Es sei künftig mit politisch extremistischen oder gekauften Hackern zu rechnen, die elektronische Großangriffe im Auftrag krimineller Organisationen oder feindlicher Staaten starteten, berichtet der "Spiegel". Zu diesem Ergebnis seien die in der Arbeitsgruppe versammelten Experten des Kanzleramts, mehrerer Ministerien und der Geheimdienste gekommen. Die Attacken könnten sich gegen die zivile Infrastruktur in Deutschland richten, etwa die Energieversorgung, das Gesundheitswesen oder die Polizei. Besonders beunruhigt seien die Experten, dass ein solcher "Cyber War" von überall aus geführt werden könne. Es gebe kein Staatsgebiet mehr, das dagegen an seinen Grenzen mit militärischen Mitteln erfolgreich zu verteidigen sei. Um Staat und Wirtschaft vor Angriffen aus dem Internet zu schützen, fordere die Arbeitsgruppe schnelle Maßnahmen, schreibt das Magazin. Alle kritischen Bereiche, vor allem die Verwaltungen von Bund und Ländern, sollten besonders gesichert werden. Zudem solle eine Eingreiftruppe beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik gebildet werden. (Reuters)