Graz - Wanderer kennen den Ärger. Kaum ist man richtig in Bewegung, steht ein Schild vor der Nase: "Privatgrund! Befahren und Betreten verboten". Immer mehr alte Spazier-und Wanderwege gehen so verloren, bedauert der Grünen-Gemeinderat der Grazer Umlandgemeinde Thal, Franz Sölkner.

Eine Entwicklung, die sich in den letzten Jahren beschleunigt habe und gegen die nun eine Bürgerinitiative in Thal aktiv werden wolle. Mit einer Volksbefragung am Sonntag.

Sölkner: "Bei immer mehr Wegen, an denen durch langjährigen ,Allgemeingebrauch' de facto ein öffentliches Wegerecht ,ersessen' wurde, stellen die privaten Grundbesitzer Betretungsverbotstafeln und unüberwindbare physische Absperrungen auf." Sichern könne das alte Gewohnheitsrecht nur die jeweilige Gemeinde. Sie müsse binnen drei Jahren ihren Besitzwillen am Servitut kundtun und die Eintragung ins Grundbuch veranlassen.

Am Sonntag sind die Thaler Bürger aufgerufen, in einer Volksbefragung für den Erhalt ihrer Spazierwege zu plädieren. Initiator Matthias Brunner: "Wir verteidigen einen wichtigen Bestandteil unserer gewachsenen dörflichen Lebenskultur. Wenn es uns nicht gelingt, diese asoziale Entwicklung zu stoppen, werden unsere Urenkel nur mehr im Gänsemarsch auf asphaltierten Straßen gehen können."

Bei einer Unterschriftenaktion haben bereits 450 Thaler Bewohner - das entspricht 25 Prozent aller Wahlberechtigten - unterschrieben und somit die Volksbefragung erzwungen.

Unterschriften werden unterdessen auch in Graz gesammelt. (mue, DER STANDARD - Printausgabe, 16./17. April 2005)