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Im oberen Bereich der Wiener Staatsoper tut sich was: Ileana Tonca (als Prinzessin) und Adrian Eröd (als Magier) in der Oper "Aladdin und die Wunderlampe".

Foto: APA/WIENER STAATSOPER GMBH/AXEL ZEININGER

Premiere von Nino Rotas Oper "Aladdin und die Wunderlampe" im Kinderopernzelt der Wiener Staatsoper: Das Haus am Ring lockt seine jüngsten Zuhörer und ihre Eltern mit einer bewegungsfreudigen und bunten Umsetzung einer bekannten Geschichte.

Wien - Vor sechs Jahren wurde auf dem Dach der Wiener Staatsoper erstmals ein Zelt aufgeschlagen mit dem Bestreben, auch das einziffrige Alterssegment der musikinteressierten Bevölkerung musiktheatralisch zu unterhalten, diesem damit die Scheu vor dem renommierten Haus zu nehmen und es so nach Möglichkeit auch für später, für die Zeit eines eigenen (gehobenen) Einkommens, für die ernst-musikalischen Vorgänge im Haus am Ring zu interessieren.

Wurden die lieben Kleinen dabei bis dato mit speziell für sie verfasstem, superlustigem und pädagogisch selbstverständlich außerordentlich wertvollem Klang- und Sangwerk konfrontiert (Botschaften, wahlweise: Trau dich was! Du bist anders als die anderen, aber das ist spitze! Setz auf deine Fantasie!), so bietet Nino Rotas Aladdin und die Wunderlampe zur Abwechslung inhaltlich simple Märchenhaftigkeit und musikalisch so etwas wie große Oper in Klein.

Das "Lyrische Märchen in drei Akten" des bekannten Italieners - Rota schrieb neben etlichen Opern auch die Filmmusiken zu Klassikern wie Fellinis La Strada, Viscontis Il Gattopardo und Coppolas Der Pate - wurde auf ein gutes Stündchen gekürzt und das Orchester auf Kammerensemblegröße eingedampft.

Ziemlich direkt

Letzteres bedeutete aber nicht, dass da lediglich lauschiges Klingeling in die minderjährigen Ohren träufelte, au contraire: Das Bühnenorchester der Wiener Staatsoper (Leitung: Jendrik Springer) wie auch die staatsopernerprobte Sängerschaft setzten fallweise zu einer derart überwältigenden, trommelfellstrapazierenden Ton- bzw. Phonproduktion an, dass man den Eindruck hatte, Direktor Holender wolle die musikinteressierte Kleinsthörerschaft hier nicht auf Besuche im eigenen Haus einstimmen, sondern auf solche von populärmusikalischen Tanztempeln an Wienfluss oder Donaukanal.

Egal: Sehen konnte und kann man bei Aladdin eine bewegungsfreudige, altmodisch-malerische Kulissenlandschaft (Bühnenbild: Andreas Lungenschmid), viel vielfarbiges Gekleide und Geschmeide (Kostüme: Polly Matthies) und turbulente Aktion (Regie: Thomas Birkmeir). Bei der Premiere schmachtete Cosmin Ifrim als bubenhafter, quirliger Titelheld seine morgenlandschöne Prinzessin (Ileana Tonca) an; Adrian Eröd versucht als böser, böser Zauberer dazwischenzufunken.

Fazit also: Nett, aber manchmal auch ganz schön laut. Wie die lieben Kleinen auch. (DER STANDARD, Printausgabe vom 18.4.2005)