Wenn Frankreich im Referendum um die EU-Verfassung mit Nein stimmt, "dann fällt Europa", sagte der ehemalige Präsident der EU-Kommission, Romano Prodi: "Es wird kein Europa mehr geben. Wir werden durch eine lange Phase der Krise gehen. Das Problem wird nicht nur für Frankreich eine Katastrophe sein, sondern für Europa." Das ist keine Hysterie, denn eine Ablehnung in einem Kernland Europas bedeutet einen schweren psychologischen Rückschlag für die europäische Integration.

Die Verfassung soll eine einheitlichere europäische (Außen-)Politik erleichtern, und selbst wenn das noch eine Weile dauern wird - hier zählt einfach die Signalwirkung. Es kommt auch noch etliches dazu: Die EU hat sich nicht auf eine einheitliche Wachstumspolitik verstehen können; der Beitritt von Rumänien und Bulgarien wird als verfrüht angesehen; die Welle des Nationalismus in der Türkei bestätigt alle Kritiker; schließlich macht das Billigangebot von Dienstleistern aus den neuen EU-Ländern dem heimischen Handwerk zu schaffen.

Europa steht nicht besonders gut da im Moment. Das wird sich bis zur ersten Hälfte 2006, wenn Österreich den Vorsitz übernimmt, auch kaum ändern. (DER STANDARD, Printausgabe, 26.4.2005)