Wien - "Ausrutscher" über die Gräuel der Nazi-Zeit hat es mit Ausnahme der Grünen zwar auch in den Reihen von SPÖ und ÖVP gegeben, doch die Anzahl der bedenklichen "Sager" über die NS-Herrschaft war in den vergangenen Jahren in der FPÖ am größten. Die "berüchtigsten" Aussagen waren jene der "ordentlichen Beschäftigungspolitik im Dritten Reich" vom ehemaligen FPÖ-Chef Jörg Haider, die These der "Umvolkung" des heutigen EU-Abgeordneten Andreas Mölzer sowie zuletzt der Vergleich des von der FPÖ zum BZÖ gewechselten Bundesrats Siegfried Kampl von "Wehrmachtsdeserteuren" mit "Kameradenmördern" und der "brutalen Naziverfolgung nach 1945". Nachfolgend einige - unvollständige - Beispiele:
 Haider über NS-Verbrechen: "Wenn Sie so wollen, dann war es halt
        Massenmord." ("profil", 18.2.1985)
        "Das wissen Sie ja so gut wie ich, dass die österreichische
        Nation eine Missgeburt gewesen ist, eine ideologische
        Missgeburt." (ORF-Inlandsreport, 18.8.1988)
        "Im Dritten Reich haben Sie ordentliche Beschäftigungspolitik
        gemacht, was nicht einmal Ihre Regierung in Wien zusammen
        bringt." (Protokoll Kärntner Landtag, 13.6.1991)
        Haider nennt die NS-Konzentrationslager "Straflager"
        (Kurier, 10.2.1995)
        Über Waffen-SSler: "...dass es in dieser Welt einfach noch
        Menschen gibt, die einen Charakter haben und die auch bei
        größtem Gegenwind zu ihrer Überzeugung stehen und ihrer
        Überzeugung bis heute treu geblieben sind" (Krumpendorf,1995)
        "Jeder Buschneger hat in Zukunft die Möglichkeit, seine
        Kollegen in Österreich zu behandeln" (Haider über das
        neue Ärztegesetz im "Standard", 13.10.1998)

Mölzer Andreas, heute EU-Abgeordneter, Es bahnt sich eine "Umvolkung" an (Februar 1992)

Lafer Franz, FPÖ-Abgeordneter: Lafer spricht angesichts Einbürgerung und hoher Geburtenrate von Ausländern von "Umvolkung" (Juli 1998)

Partik-Pable Helene, FPÖ-Abgeordnete: Schwarz-Afrikaner "schauen nicht nur anders aus, sondern sie sind auch anders, und zwar besonders aggressiv" (Tiroler Tageszeitung, 20.5.1999)

Prinzhorn Thomas, Dritter Nationalrats-Präsident Die Ausländer "bekommen Medikamente zur Hormonbehandlung gratis, um ihre Fruchtbarkeit zu steigern, Inländern wird das nur sehr selten gewährt" (Kurier, 23.9.1999)

Windholz Ernest: "Unsere Ehre heißt Treue" (FPÖ-NÖ-Parteiobmann bei einer Ehrung langjähriger FPÖ-Aktivisten mit dem Leitspruch der SS, den er als solchen nicht gekannt haben will (Kurier 5.6.2000)

Stadler Ewald, Volksanwalt: Österreich wurde 1945 "angeblich von Faschismus und Tyrannei befreit". Er würde von Nationalsozialismus oder der Besatzung durch die Alliierten "keines vorziehen". (2.7.2002) - Haider sieht keinen Grund für einen Stadler-Rücktritt und wünscht sich eine "Rückenstärkung" für Stadler. FPÖ-Vize Hubert Gorbach dagegen hält die Aussagen Stadlers für "nicht tolerierbar". Finanzminister Karl-Heinz Grasser (damals noch FPÖ) ist "fassungslos und erschrocken".

Kampl Siegfried, von FPÖ zu BZÖ gewechselter Bundesrat: "Wehrmachtsdeserteure" waren "zum Teil Kameradenmörder" und nach 1945 gab es eine "brutale Naziverfolgung" (18.4.2005) Haider hält Kampl für einen "konstruktiven Burschen" (22.4. 2005)

Gudenus John, FPÖ-Bundesrat Bei der Ausstellung "Verbrechen der Wehrmacht 1941-1944" zweifelt Gudenus die Existenz von NS-Gaskammern an (17.10.1995): "Gaskammern? Ich halte mich da raus! Ich glaube alles, was dogmatisch vorgeschrieben ist." Gudenus relativiert neuerlich Existenz der NS-Gaskammern: "Fordere Prüfung" - Frage nicht mit "ja oder nein beantworten müssen" - FPÖ drängt Gudenus zu Rückzug aus FPÖ - Aber er will Bundesrat bleiben (26.4.2005)

(APA)