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Foto: APA/EPA/NIC BOTHMA
Ich glaube nicht, dass er in Capri - während er mit einer Zehe im Wasser war - den Rechnungshofbericht studiert hat", ätzte SP-Klubchef Josef Cap Mittwoch im "Kurier" und schloss daran die Vermutung, Karl-Heinz Grasser sei geistig auf Dauerurlaub. Hätte er nur einen Tag gewartet, bis "NEWS" erschien, hätte er seinen Befund, der im ÖVP-Vorstand zweifellos als Ausdruck linksextremen Sexualneides eingestuft wird, in Bezug auf die Zehe korrigieren, in Bezug auf den Dauerurlaub präzisieren können.

Das vergangene Weekend (Abflug aus Wien am vergangenen Freitag um 11.55 Vormittag) verbrachte der frisch entlobte Mann mit dem Nulldefizit nämlich erneut an der Seite von Kristallerbin Fiona Swarovski. Und zwar exakt bis vergangenen Sonntag um 17.20 Uhr, als er von Neapel über Milano schweren Herzens zurück nach Wien fliegen musste. Wenn es gilt, die Wahrheit über schwere Herzen zu recherchieren, ist "NEWS" von unerbittlicher Präzision. Ein sachlicher Cap hätte höchstens von einem geistigen Wochenende, gewiss nicht von einem Dauerurlaub sprechen dürfen.

Und was die Zehe im Wasser betrifft, lag Cap schon wieder falsch. Zwischen roter Sonne und Vollmond blieb für diesen Tauchgang keine Zeit, wie aus dem von "NEWS" verfassten Tagebuch ihres Traumwochenendes auf Capri hervorgeht. Laue 23 Grad im Schatten, wolkenloser Himmel, ungetrübter Blick aufs azurblaue Meer, und dazu eine Orgie an Streicheleinheiten: Grasser streichelt Fionas Hunde, spielt mit Fionas Tochter, Fiona streichelt Grasser. Ab und zu - statt den Rechnungshofbericht zu studieren - greift der neue Fotografenliebling der Jetsetinsel zum Handy, gestikuliert, zieht auf der Terrasse weiter, selbstvergessene Kreise wie dereinst der legendäre Literaturexzentriker Curzio Malaparte, der am riesigen Flachdach einer Nachbarvilla sogar mit dem Fahrrad rotierte - nicht ganz leicht, dieser stilistischen Quadratur selbstvergessener Kreise am riesigen Flachdach zu folgen.

Auch egal, denn währenddessen neckt Fiona launig und lautstark eines ihrer pelzigen Haustierchen. "Come to Maaaama, come to Maaaama . . ." Und all diese aufwühlenden Dinge passieren dort, wo Capris rote Sonne tatsächlich im Meer versinkt. Dort, wo Karl-Heinz Grasser mit Fiona, ihren drei Kindern, deren Kindermädchen, ihren sechs Hunden, ihrem Papagei, ihren zwei Leibwächtern sowie der fünfköpfigen Hausdienerschaft einen geruhsamen Samstagnachmittag zubrachte. Zwischen den pelzigen Haustierchen und dem Papagei wird der legendäre Budgetexzentriker nicht weiter gestört haben. Josef Cap macht sich von einem Traumwochenende auf Capri übertriebene Vorstellungen.

Aber die Stimmung! Fünf, sechs Flügelschläge pro Minute, nicht mehr. Dolcefarniente aus der Vogelperspektive: Schwerelos, mühelos, lautlos wie kleine Privatjets, die Campari Soda statt Kerosin getankt haben, gleiten die Möwen über die zerklüfteten Kalksteinfelsen hinweg. Und der "NEWS"-Reporter weiß: Das geht der Spaghettipresse runter wie Olivenöl extra vergine, und kommt aus der Fellnerpresse wieder raus wie Rizinusöl.

Das ahnt sogar Paparazzo Renato Sarmiento, Urgestein unter Capris Bildjägern, an dem der Bimsstein unter Wiens Sensationsjägern recherchierend rieb. "Schöne Menschen, Reichtum, Passione - diese Story hat einfach alles." Und das hat sie mit der Passione gemein, die vor Grasser stattfand. Denn nicht weil der Neue ist, wer er ist. Sondern weil er hier ist, weil er mit ihr hier ist. Genau da, wo sich bereits die ersten zarten Bande zwischen dem Edelsteinvamp und seinem späteren Ehemann Nummer drei, John Balzarini, unter vollem Pizzamond zur Heiratsreife stärkten.

Balzarini sah damals, was Grasser am vergangenen Wochenende sah. "Ich sah Capri, ich sah Fiona", zitiert "NEWS" "Vanity Fair", das Swarovskis Exmann zitiert, "und ich dachte mir, sie ist eine der bezauberndsten Frauen der Welt." Jetzt ist der Edelsteinvamp vom Balzarini auf den Balzer gekommen. Der sah dasselbe, und womöglich dachte er auch dasselbe. Vielleicht dachte er aber auch nur, sie hat die bezauberndsten pelzigen Haustierchen der Welt, denn unter vollem Pizzamond zeichnet sich der Unterschied zwischen einem Balzer und einem Balzarini deutlicher ab als der zwischen selbstvergessenen Kreisen, die von Curzio Malaparte oder von Karl-Heinz Grasser gezogen werden.

Natürlich konnte nicht ausbleiben, dass im brodelnden Nachtleben der Mammon-Insel die Femme Kristall und der Minister die Hüften kreisen ließen. Tanzen, bis die Fischer von Capri frühmorgens mit ihren Booten aufs Meer hinauszogen und in weitem Bogen ihre Netze auswarfen; bis auf einer weiß getünchten Stiege in der Nähe des Tanzpalasts auch Fiona und Karl-Heinz im milchigen Licht des Vollmondes - vormals voller Pizzamond - nacheinander angelten ...

Tja, Capri! Oben fliegen die Möwen, unten liegen die Reichen. Tja, Cap! Wenigstens daran, dass einmal die Reichen unten liegen, sollte der SP-Klubchef nichts herumzunörgeln haben. (DER STANDARD; Printausgabe, 30.4./1.5.2005)