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Schon lange nicht ist in so kurzer Zeit

aus einem Gadget ein Kult geworden: Apples iPod ist der unangefochtene Marktführer bei MP3-Playern. Aber weil sich auch die schönste Erfolgsstory irgendwann abnützt, ist jetzt Saison für "iPod-Killer" - MP3-Player von Konkurrenten wie Sony, Creative, iRiver, Rio und einem Dutzend weiterer, meist unbekannter Konkurrenten, die die Regale in Elektronikmärkten füllen.

Foto: REUTERS/Monica Davey

All das schein den Favoriten

wenig gekratzt zu haben - der iPod führt mit einem Marktanteil von rund 70 Prozent (die Angaben variieren je nach Betrachtung des Markts etwas). Was für Apple langfristig wahrscheinlich noch wichtiger ist: Der Online-Musikdienst iTunes Music Store ist trotz Konkurrenz von Microsoft, Sony und kleineren Anbietern bei bezahlten Downloads ähnlich dominant.

Foto: Apple

Die eigentliche Konkurrenz

für den iPod kommt jedoch aus einer anderen Ecke: den Herstellern von Handys, die aus den Mobiltelefonen Allrounder machen, die weitere Geräte entbehrlich machen sollen. Kalender, Adressbuch und E-Mail haben "Smartphones" als Alternative zu Organizern wie den Palm etabliert. Die Integration von Kameras macht reinen Kameraherstellern zumindest am unteren Ende des Marktes Sorge. Und inzwischen ist das Line-up auch bei MP3-Playern im Handy komplett: Das Handy soll zum besseren iPod werden, das über das mobile Datennetz auch Downloads ermöglicht.

Foto: Motorola

Jüngster Konkurrent, vergangene Woche

von Nokia in Amsterdam vorgestellt: Das N91 - ein Handy mit vier Gigabyte Festplatte, die für einige Tausend Musiktitel reicht und damit direkt mit dem iPod mini konkurriert. Damit die Musik immer spielt, verwendet Nokia ein mit dem Windows Media Player kompatibles Programm, mit Tasten zum Abspielen der Musik anstelle des verborgenen Ziffernblocks.

Foto: Nokia

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Die drei großen Lager

für Onlinemusik haben sich damit auch im Handysektor formiert: Nokia in Allianz mit Musik von Microsoft; Sony Ericsson setzt mit dem Walkman-Handy auf Connect von Sony; und Motorola bringt Apples iTunes auf das Handy.

Foto: REUTERS/Jeff Christensen

Allerdings bleibt Apple Zeit:

Die musikalischen Handys kommen durchwegs erst gegen Jahresende auf den Markt. Auch über die Online-Musikdienste weiß man noch wenig, außer dass die bisherigen Angebote mit zwei Euro oder mehr pro Titel wesentlich teurer als Musikdownloads für den PC sind (meist 99 Cent). Sony Ericsson konzipiert darum sein Walkman-Handy zunächst als einen MP3-Player, der konventionell über den PC aufgeladen wird. Auch der 4-GB-Speicher am N91 wird wohl kaum über Funk, sondern vom PC gefüllt.

Foto: Sony

Mobilfunk-Provider werden

damit allerdings kaum Freude haben: Denn für sie haben nur Funktionen Sinn, die ihre Netze - vor allem die noch wenig verwendeten UMTS-Netze - auslasten. Das dürfte der Grund sein, warum das bereits seit Längerem angekündigte Motorola-iTunes-Handy noch nicht am Markt ist. In subventionierten Märkten wie Österreich ist darum fraglich, ob und in welchem Ausmaß sie entsprechende Geräte stützen werden. Ohne Stützung hingegen sind die MP3-Handys ein teurer Spaß: Das N91 kostet 700 Euro - der vergleichbare iPod mini 199 Euro.

Foto: Motorola

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Raum für viele

Ob es letztlich eine Art Naturgesetz des digitalen Zeitalters ist, dass Alleskönner auf Dauer die Spezialisten aus dem Markt drängen, ist ungewiss. MP3 am Handy gibt es seit vielen Jahren - bloß: Es hört keiner hin. Und es gibt andere Faktoren, bei denen Handys Nachteile haben: Das N91 ist ein Vielfaches größer als ein iPod mini; und es ist ein Stromsauger - nach einigen Stunden Musik bleibt kein Saft mehr zum Telefonieren.

Foto: APA/AP/Jose Sanchez

Wahrscheinlicher als der

Verdrängungswettkampf ist darum ein anderes Szenario: Der noch junge Markt bietet auf geraume Zeit mehreren Philosophien Platz - und bringt vielleicht ganz neue Ideen und Geräte hervor.(Helmut Spudich/DER STANDARD, Printausgabe vom 3.5.2005)

Montage: red